Faschingsvereine - Drei aus dem Gei

Im bayerischen Oberland gibt es zahlreiche lokale Faschingsvereine oder -gesellschaften, die Umzüge, Bälle, Garden und Brauchtum pflegen, also diejenigen, die mit viel Engagement und Herzblut dafür sorgen, dass der Fasching bei uns das ist, was er ist: ausgelassenes Feiern verbunden mit gelebtem Brauchtum in der Gemeinschaft. Stellvertretend für all diese engagierten Vereine stellen wir euch drei davon vor. 

Maschkeraverein Bichl 

Der Maschkeraverein Bichl e. V. prägt das Faschingstreiben im Dorf. Er organisiert den Faschingszug als „fahrendes Theater“, betreut die Bälle, Kostüme und Dekoration und bindet Kinder, Jugendliche und Erwachsene aktiv ein. Ziel des Vereins ist es, die Tradition zu pflegen und den Fasching als kulturelles Highlight im Loisachtal zu erhalten. Maximilian Schweiger ist der 1. Vorstand der Bichler Maschkerer und hat uns über seinen Faschingsverein berichtet.   

Organisiert / gepflegt seit 

Der Fasching in Bichl wird nachweislich seit 1954 organisiert. Als erste dokumentierte Veranstaltung gilt der Faschingszug 1954, der den Grundstein für das heutige Faschingsbrauchtum im Ort legte. 

Besondere Tradition 

Das Herzstück des Bichler Faschings ist der Faschingszug als „fahrendes Theater“. Vereine und Freundesgruppen bauen auf kleinen Traktoren und Anhängern eigene Bühnen, auf denen sie passend zum Motto selbst einstudierte Theaterstücke aufführen. Dieses Konzept unterscheidet Bichl deutlich von klassischen Partyumzügen und ist im Loisachtal einzigartig. 

Faschingsmotto 

Das Motto für die Saison 2025/26 lautet: „Magische Maschkerawelt Bichl“. 
Es wird jährlich von der Vorstandschaft des Maschkeravereins Bichl e. V. festgelegt. Alle Mitglieder können Vorschläge einbringen, über die intern abgestimmt wird. Wichtig ist, dass sich das Thema gut für Kostüme, Wagen und die Saaldekoration im Bayerischen Löwen eignet. 

Typische Kostüme & Figuren 

Die Kostüme orientieren sich überwiegend am jeweiligen Motto. In der Saison 2025/26 sind dies unter anderem Zauberer, Hexen, Trolle und Feen. 
Ein traditioneller Look ist das schwarz-weiße „Bichler Outfit“ mit weißem Hemd, schwarzer Seidenweste und schwarzem Hut, das häufig von Helfern – etwa hinter der Bar – getragen wird.

Wer darf Maschkera sein 

Grundsätzlich jeder, jung und alt. Bei den Faschingsbällen treten außerdem Prinzengarde, Prinzenpaar und Hofstaat auf. Zusätzlich werden regelmäßig Gastgarden aus Nachbarorten eingeladen. 

Besonderheiten & Grenzen 

Es gelten die gesetzlichen Vorgaben sowie örtliche Auflagen, insbesondere zu Jugendschutz, Alkoholausschank, Sicherheits-, Lärm- und Brandschutz. Nicht erwünscht sind Gewalt, Sachbeschädigung, übermäßiger Alkoholkonsum oder verbotene Gegenstände. Ziel ist ein sicherer und geordneter Ablauf für alle Beteiligten. 

Rivalität 

Mit Benediktbeuern besteht eine traditionelle, augenzwinkernde Rivalität, die sich vor allem im Faschingszug zeigt. Humorvolle Seitenhiebe auf Ereignisse im Nachbardorf gehören dazu, stets ohne Ernsthaftigkeit. Bei den Faschingsbällen spielt die Rivalität keine Rolle – beide Orte feiern unabhängig voneinander ausverkaufte Veranstaltungen. 

Ehrenamtlicher Aufwand 

Die Planung beginnt meist direkt nach dem Fasching: Bands und DJs werden im Frühjahr gebucht, das Motto im Sommer festgelegt, Planungssitzungen folgen im Herbst. Im November findet das „11-11-Festl“ statt, ab Dezember beginnt die Saaldekoration. Ab Heilig Drei König läuft der intensive Faschingsendspurt bis Aschermittwoch – danach startet bereits die nächste Saison. 

Nachwuchsarbeit 

Kinder- und Teeniegarden sorgen für eine frühe Einbindung des Nachwuchses. Ab 16 Jahren dürfen Jugendliche eigene Faschingswägen bauen und am Umzug teilnehmen. Unterstützt werden sie dabei vom Förderverein Maschkera Bichl e. V., unter anderem mit Startkapital. 

Herausforderungen & Bedeutung 

Große Herausforderungen sind der hohe organisatorische Aufwand, steigende Kosten für Musik, Technik und Sicherheit sowie die zunehmende Schwierigkeit, Helfer zu gewinnen. Trotz allem wird mit großem Engagement daran gearbeitet, das Brauchtum lebendig zu halten. 

Wie hat sich der Fasching in Bichl im Vergleich zu früher verändert? 

Der Fasching in Bichl hat sich über die Jahrzehnte deutlich weiterentwickelt. Früher waren die Umzüge kleiner, die Kostüme schlichter und vieles wurde spontan ohne großen technischen Aufwand organisiert. Der Fasching spielte sich hauptsächlich im Dorf ab und hatte einen familiären, bodenständigen Charakter. 

Heute ist der Fasching deutlich moderner und aufwendiger gestaltet. Die Themen werden im Voraus festgelegt, der Saal passend dekoriert und es treten Bands oder DJs auf. Auch der Faschingszug hat sich weiterentwickelt: Es gibt inzwischen eine Wagenprämierung mit Wanderpokal, gleichzeitig bleibt der Umzug ein „fahrendes Theater“. Die Vereine und Gruppen bauen nach wie vor eigene Bühnen auf Anhängern und führen ihre einstudierten Stücke auf. Trotz aller Veränderungen ist der dörfliche Zusammenhalt und der traditionelle Charakter bis heute erhalten geblieben. 

Blick in die Zukunft 

Ziel ist es, weiterhin junge Menschen zu begeistern, den besonderen Charakter des Bichler Faschings zu bewahren – insbesondere den Faschingszug als „fahrendes Theater“ – und gleichzeitig modernen Anforderungen gerecht zu werden. 

Persönliche Erinnerungen 

Erste Teilnahme am Bichler Fasching 2009 beim Faschingszug zum Thema „Wickie und die starken Männer“. Seit 2019 Mitglied der Vorstandschaft, heute Vorstand des Maschkeravereins Bichl e. V. Besonders prägend ist jedes Jahr der Faschingszug; ein kurioses Highlight war zuletzt die Bettelhochzeit, die erstmals erlebt wurde und ein voller Erfolg war. 

Beira Maschkeraverein

Der Beira Maschkeraverein e.V. ist der zentrale Faschingsverein in Benediktbeuern, der offiziell im Jahr 2000 gegründet wurde, aber schon zuvor aktiv war.  Der Verein sorgt vom 11.11. bis zum Aschermittwoch für Faschingsstimmung im Ort, organisiert mehrere Bälle, ein Weißwurstfrühstück und den großen Faschingszug. Ein Höhepunkt ist das traditionelle „Haberfeldtreiben“ nach dem Faschingszug, bei dem Missgeschicke der Bürger humorvoll vorgetragen werden. Bernd Schöpf ist der 1. Vorstand und hat uns hinter die Kulissen blicken lassen. 

Organisiert / gepflegt seit 

Die Faschingstradition in Benediktbeuern reicht bis um 1900 zurück. Das erste Prinzenpaar wurde 1950 eingesetzt. Das Haberfeldtreiben ist seit 1949/50 nachweislich fester Bestandteil des Faschings und wird bis heute gepflegt. 

Besondere Tradition 

Ein zentrales Element ist das Haberfeldtreiben am Faschingsdienstag auf dem Dorfplatz. Vom Balkon des Zwergeranwesens verliest der Haberermoaster in gereimter Form kleinere und größere Verfehlungen von Dorfbewohnern – humorvoll und augenzwinkernd. Diese Tradition ist einzigartig und fest im Ort verankert. 

Faschingsmotto 

Das Motto für die Saison 2025/26 lautet: „Auf in eine neue Galaxie!“. Hintergrund ist die Renovierung des Postsaals: Nachdem im Vorjahr ein Zirkuszelt als Ausweichquartier diente, startet der Fasching nun symbolisch neu – „in einer neuen Galaxie“. 

Einfluss von Kirche & Geschichte 

Als jahrhundertelanger Klosterort war Benediktbeuern stark kirchlich geprägt. Ein direkter Einfluss der Kirche auf den Fasching ist heute jedoch nicht mehr spürbar. 

Typische Kostüme & Figuren 

Es gibt keine festen traditionellen Masken oder Larven. Getragen wird alles, was kreativ ist und zum jeweiligen Motto passt – im Unterschied zu Orten mit klar festgelegten Figuren. 

Wer darf Maschkera sein 

Grundsätzlich jeder, jung und alt. Eine Ausnahme bildet natürlich der Weiberfasching, an dem ausschließlich Frauen teilnehmen dürfen. 

Besonderheiten & Grenzen 

Es gibt keine strengen Regeln, jedoch klare Grenzen: keine Gewalt, kein Blut, keine Nacktheit. Der Fasching soll humorvoll, respektvoll und für alle angenehm bleiben. 

Rivalität 

Zwischen Benediktbeuern und Bichl besteht eine traditionelle, spielerische Rivalität, die im Faschingszug ausgelebt werden darf. Früher teils schärfer, heute überwiegend humorvoll – Sprüche wie „Der beste Beira ist a Bichler“ gelten inzwischen fast als Kompliment. 

Ehrenamtlicher Aufwand 

Die Planung läuft ganzjährig. Ab 11.11. steigt der Aufwand deutlich, besonders in den letzten fünf Wochen vor dem Fasching. Neben Organisation, Bands und Genehmigungen erfordert vor allem das Haberfeldtreiben intensive Vorbereitung (ca. 40–50 Stunden für den Haberermoaster). 

Nachwuchsarbeit 

Mit Kindergarde, Teeniegarde (ca. 55 Aktive) und Erwachsenengarde (ca. 10 Aktive) sowie Kinder- und Erwachsenenprinzenpaaren ist die Nachwuchsarbeit gut aufgestellt. 

Herausforderungen & Bedeutung 

Zunehmende Auflagen von Behörden stellen eine wachsende Herausforderung dar. Gleichzeitig bleibt der Fasching wichtig für den Zusammenhalt im Dorf – gesellschaftlich wie auch wirtschaftlich, da Veranstaltungen und Erlöse im Ort bleiben. 

Blick in die Zukunft 

Ziel ist es, weiterhin junge Aktive zu gewinnen und die Tradition langfristig zu sichern. Der Verein sieht sich dabei aktuell auf einem guten Weg. 

Persönliche Erinnerungen 

Bernd Schöpf ist seit 27 Jahren Vorstand des Vereins. Negative Erinnerungen an die Faschingszeit hat er nicht – besonders schön ist für ihn, dass seine Tochter in diesem Jahr in die Faschingshoheit erhoben wurde und als „Prinzessin Veronika die 3. von der neuen Beira Galaxie“ aktiv ist. 

Reichersbeurer Faschingszug 

Der Faschingsverein in Reichersbeuern heißt offiziell Reichersbeurer Faschingszug e.V.. Er ist bekannt für die Organisation des „MuaFaz“ (Mutter aller Faschingszüge), der in der Regel alle zehn Jahre in einer großen Parade von Reichersbeuern nach Bad Tölz zieht. Der Verein ist eng mit den lokalen Traditionen verbunden und plant die närrischen Umzüge. Wir haben gesprochen mit Klaus Hochwind, er ist Präsident des Organisationskomitees Reichersbeuern.. 

Organisiert / gepflegt seit 

Die Ursprünge des Reichersbeurer Faschings reichen vermutlich bis ins Jahr 1878 zurück. In diesem Jahr zogen maskierte Reichersbeurer nach Bad Tölz, um in Form eines Haberfeldtreibens ihren Unmut gegenüber der Obrigkeit kundzutun. Dieses Ereignis gilt als historischer Vorläufer des heutigen Faschingszuges. 

Besondere Tradition 

Der Reichersbeurer Faschingszug gilt als die „Muafaz – Mutter aller Faschingszüge“. Wer ihn erlebt hat, weiß warum: Er ist einer der größten, wenn nicht der größte Faschingszug Südbayerns. Zuletzt zählte man über 30.000 Zuschauer, womit der Umzug sogar den Leonhardiumzug übertraf. Bad Tölz musste zeitweise wegen Überfüllung geschlossen werden – eine Dimension, die es zuvor bei keiner Veranstaltung in der Region gegeben hatte. Der Zug ist kein gewöhnlicher Faschingsumzug, sondern ein überregionales Großereignis. 

Faschingsrhythmus 

Der Faschingszug findet im Zehn-Jahres-Rhythmus statt. Diese Entscheidung wurde bereits nach dem Zweiten Weltkrieg getroffen, da der organisatorische und handwerkliche Aufwand enorm ist – damals wie heute. Gerade diese Seltenheit sorgt dafür, dass alle Beteiligten mit besonderem Eifer dabei sind und der Umzug seinen außergewöhnlichen Charakter behält. 

Typische Kostüme & Themen 

Politische Themen werden bewusst vermieden. Stattdessen stehen humorvolle, fantasievolle und optisch aufwendige Themen im Vordergrund. Häufige Motive stammen aus der Film- und Popkultur – von Mario Kart über Minions bis Herr der Ringe. Die Zugfahrzeuge sind technisch aufwendig gestaltet, Antriebe und Mechanik bleiben bewusst verborgen. Das Komitee legt großen Wert auf eine hochwertige, stimmige Optik. 

Wer darf Maschkera sein 

Mitmachen dürfen alle Reichersbeurer ab 16 Jahren (aus versicherungstechnischen Gründen). Insgesamt bestehen die Umzüge aus 450 Zugteilnehmern auf den Wagen sowie 300 Frauen als Fußgruppen. 

Besonderheiten & Grenzen 

Es gibt keine formalen Verbote, jedoch klare moralische Leitlinien: Niemand soll diffamiert oder bloßgestellt werden. Der Fokus liegt auf Freude, Humor und einem positiven Gesamterlebnis. 
Eine Besonderheit: Frauen fahren nicht auf den Wagen mit, sondern bilden die Fußgruppen. Sie übernehmen unter anderem den Verkauf von Schnaps und Faschingszeichen, womit ein großer Teil der hohen Ausgaben finanziert wird. 

Ehrenamtlicher Aufwand 

Der zeitliche Einsatz ist enorm: In den Jahren mit Umzug wird von Oktober bis März jeden Samstag gearbeitet. Insgesamt summiert sich der ehrenamtliche Aufwand auf rund 55.000 Arbeitsstunden, getragen von der gesamten Dorfgemeinschaft. 

Nachwuchsarbeit 

Die Einbindung junger Menschen geschieht nahezu automatisch: Das ganze Dorf ist beteiligt, die Begeisterung wird von Generation zu Generation weitergegeben. Es gibt sogar Anfragen von außerhalb, die jedoch aus logistischen Gründen abgelehnt werden. Unser Motto:„Wir für ganz viele andere.“ Der Fasching soll ein ortsinternes Gemeinschaftsprojekt bleiben. 

Herausforderungen & Bedeutung 

Zunehmende Sicherheitsauflagen stellen eine große Herausforderung dar – insbesondere angesichts moderner Sicherheitskonzepte und der Fahrtstrecke von rund sechs Kilometern über die Bundesstraße nach Bad Tölz. Themen wie Terrorprävention spielen heute ebenfalls eine Rolle. Die Zusammenarbeit mit Behörden erfolgt dabei Hand in Hand. 
Trotz allem bleibt der Fasching ein zentrales Element des gesellschaftlichen Zusammenhalts – gerade in schwierigen Zeiten. 

Blick in die Zukunft 

Der Wunsch für die Zukunft ist klar und bescheiden: 
Es soll weiterhin genauso gut funktionieren, vor allem sicher bleiben und ohne Zwischenfälle ablaufen – ein Wunsch, der für alle Faschingsvereine gilt. 

Persönliche Erinnerungen 

Klaus Hochwind ist seit 1995 als Zugteilnehmer, seit 2005 im Organisationskomitee und seit 2015 als Präsident aktiv. Negative Erinnerungen gibt es keine – dafür umso mehr positive: Jeder Samstag der gemeinsamen Vorbereitung, das intensive Miteinander und das Gefühl von Gemeinschaft gehören zu seinen prägendsten Erlebnissen. 

Text von Silvia Richter

 

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