Funde aus der Bronze- und Römerzeit
Aktuelles Historie
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Funde aus der Bronze- und Römerzeit
Im Landkreis Weilheim-Schongau wurden neulich an einem der wenigen oberirdisch sichtbaren Grabhügelfelder Jahrtausende alte Funde gesichert. Archäologinnen und Archäologen dokumentierten mehrere Urnenbestattungen aus der späten Bronzezeit.
In dem Gebiet zwischen Pähl, nahe dem Ammersee, und Wilzhofen konnten Reste von Keramikgefäßen geborgen werden, die damals als Urnen verwendet wurden. Eines der Gräber enthielt sogar eine Schwertbeigabe. Der Bayerische Rundfunk hatte darüber berichtet.
Ein beeindruckendes Bild der Besiedlungsgeschichte
Die Funde bieten ein „eindrucksvolles Bild von der Besiedlungsgeschichte des Weilheimer Beckens“, betonte das Landesamt. Neben mehreren bronzezeitlichen Gräbern, die teils reich ausgestattet waren, und weiteren vorgeschichtlichen Siedlungsresten wurde auch ein Teilstück einer bislang unbekannten römerzeitlichen Straße entdeckt. Diese Straße verlief in unmittelbarer Nähe und war Teil der römischen Fernstraße, die von Italien über den Brenner nach Augsburg führte.
Die archäologischen Arbeiten seien mittlerweile abgeschlossen, alle Funde dokumentiert und geborgen worden. Das Grabhügelfeld war jedoch nicht neu – bereits im späten 19. Jahrhundert fanden hier archäologische Untersuchungen statt.
Informationen
Zeitraum Bronzezeit: ca. 2200–800 v. Chr.
Zeitraum Römerzeit: ca. 15 v. Chr.–476 n. Chr.
Funde im Oberland: Grabhügelfelder, Urnenbestattungen, Keramik, Waffenbeigaben
Besonderheit: Teilstück einer römischen Fernstraße (Italien – Brenner – Augsburg)
Bedeutung: Zeugnisse früher Besiedlung und wichtiger Verkehrswege im Alpenvorland
Bronze- und Römerzeit im Oberland
Das Oberland war schon lange vor dem Mittelalter eine wichtige Kulturlandschaft. Archäologische Funde zeigen, dass hier seit Jahrtausenden Menschen siedelten – begünstigt durch fruchtbare Böden, Gewässer wie den Ammersee und die Nähe zu den Alpenpässen.
Die Bronzezeit (ca. 2200–800 v. Chr.)
In dieser Epoche entwickelte sich die Metallverarbeitung rasant: Bronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, ermöglichte robustere Werkzeuge und Waffen. Gleichzeitig bildeten sich überregionale Handelsnetzwerke, über die Metalle, Salz, Schmuck und andere Güter ausgetauscht wurden.
Im Oberland belegen Grabhügelfelder und Urnenbestattungen eine ausgeprägte Bestattungskultur. Die jüngsten Ausgrabungen zwischen Pähl und Wilzhofen (Landkreis Weilheim-Schongau) dokumentieren mehrere Urnen, von denen eine sogar ein Schwert enthielt – ein Hinweis auf Rang und Bedeutung des Verstorbenen. Solche Beigaben zeigen, dass gesellschaftliche Unterschiede sichtbar gemacht und über Generationen tradiert wurden.
Die Römerzeit (ab 15 v. Chr.)
Mit der römischen Expansion nach Norden wurde das Alpenvorland in das Imperium Romanum integriert. Nach der Niederlage der keltischen Stämme 15 v. Chr. unter Kaiser Augustus begannen die Römer, das Gebiet systematisch zu erschließen. Dazu gehörte insbesondere der Straßenbau: Militärische Bewegungen, Handel und Kommunikation verlangten nach festen, dauerhaften Verbindungen.
Die römische Fernstraße
Eine der bedeutendsten Routen verlief von Italien über den Brennerpass nach Augsburg (Augusta Vindelicorum) – einer der zentralen Militär- und Handelsstützpunkte nördlich der Alpen. Von dort führte sie weiter nach Norden ins Reich.
Dass nun bei Wilzhofen ein Teilstück dieser Fernstraße dokumentiert werden konnte, ist ein bemerkenswerter Befund: Es zeigt, dass das Weilheimer Becken direkt in dieses Verkehrsnetz eingebunden war. Solche Straßen waren Meisterwerke antiker Ingenieurskunst – meist gerade geführt, mit festem Untergrund aus Kies, Schotter und Steinen, oft begleitet von Meilensteinen oder kleinen Siedlungen am Weg.
Bedeutung für das Oberland
Die Kombination aus bronzezeitlichen Gräbern und römischen Straßen verdeutlicht: Das Oberland war nie nur Randgebiet, sondern seit frühester Zeit Knotenpunkt von Siedlung, Handel und Kultur. Hier lebten Menschen, die in engem Austausch mit größeren Netzwerken standen – sei es im Rahmen regionaler Bronzegesellschaften oder als Teil des weltumspannenden Imperium Romanum.
Die aktuellen Ausgrabungen setzen diese Geschichte fort und knüpfen an die ersten archäologischen Untersuchungen des späten 19. Jahrhunderts an. Damit bleibt das Oberland ein lebendiges Forschungsfeld, das immer neue Einblicke in die lange Geschichte der Region gewährt.
Historische Entwicklung
Beginn der Frühbronzezeit im Alpenvorland; erste Metallverarbeitung in größerem Stil.
Mittelbronzezeit; Entstehung großer Grabhügelfelder, Ausbau von Handelswegen.
Spätbronzezeit; Urnenfelderkultur, Einäscherung der Toten und Beisetzung in Urnen.
Frühe Eisenzeit (Hallstattkultur); Übergang von Bronze zu Eisen, neue gesellschaftliche Strukturen.
Keltenzeit (Latène-Kultur); keltische Stämme im Alpenvorland, befestigte Siedlungen und Handelskontakte.
Römische Eroberung des Alpenvorlands unter Kaiser Augustus; Beginn der Römerzeit im Oberland.
Ausbau des römischen Straßennetzes, darunter die Fernstraße Italien–Brenner–Augsburg mit Abschnitt bei Wilzhofen.
Alemannische Einfälle; Beginn der römischen Grenzkrise.
Ende des Weströmischen Reiches; Übergang ins Frühmittelalter, neue Stammesstrukturen im Alpenvorland.