Herzenssache – Folge 2

Kulturknall Murnau

Seit mehr als drei Jahrzehnten verbindet der Kulturknall am Staffelsee Musik, Theater, Kunst und Geselligkeit mit konkreter Hilfe für Menschen in Not. Aus einer spontanen Hilfsaktion entstand eine regionale Tradition, getragen von Ehrenamtlichen, Künstlern, Vereinen und einer beständigen Idee.

Feiern für den guten Zweck

Am letzten Schulwochenende im Juli wird der Kulturknall zum Familienfestival, Treffpunkt und zur Benefizveranstaltung. Musik, Kunst, Literatur, Theater, Kulinarik und ein umfangreiches Kinderprogramm bilden den Rahmen. Der gesamte Reinerlös fließt in die Hilfsprojekte des Vereins Menschen Helfen e. V.

Seit 1994 findet das Festival jährlich in der Staffelseeregion statt, meist an einem wechselnden Ort und mit einem eigenen thematischen Schwerpunkt. Der Kulturknall greift lokale Geschichten, Gebäude und Persönlichkeiten auf und verbindet sie mit zeitgenössischer Kultur und internationaler Solidarität.

Informationen

Was ist der Kulturknall?
Ein ehrenamtlich organisiertes Kultur- und Benefizfestival mit Musik, Theater, Kunst, Kulinarik und Kinderprogramm.

Seit wann?
Der erste Kulturknall fand 1994 statt.

Wer steckt dahinter?
Der gemeinnützige Verein Menschen Helfen e. V. sowie rund 100 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Das Besondere
Der Veranstaltungsort wechselt regelmäßig und greift die Geschichte des jeweiligen Ortes auf.

Wohin fließt der Erlös?
Der gesamte Reinerlös unterstützt soziale Projekte im Ausland und in der Staffelseeregion.

Termin 2026
25. und 26. Juli im westlichen Teil des Murnauer Seidlparks.

https://www.menschen-helfen.de/de/home.html

Aus Betroffenheit wird organisierte Hilfe

Die Ursprünge des Kulturknalls liegen nicht im Kulturbetrieb, sondern in der humanitären Hilfe. Als Anfang der 1990er-Jahre im damaligen Jugoslawien Krieg herrschte, beschlossen vier Ministranten aus Seehausen am Staffelsee, die betroffene Zivilbevölkerung zu unterstützen. Über kirchliche Kontakte entstand eine Verbindung nach Zazina in Kroatien. Im März und Dezember 1993 wurden Lebensmittel, Medikamente, Verbandsmaterial und Kleidung dorthin gebracht. Die Initiatoren organisierten die Transporte selbst und arbeiteten bei der Verteilung mit örtlichen karitativen Einrichtungen zusammen. Im April 1993 wurde der mildtätige Verein Menschen Helfen gegründet, um die wachsende Zahl der Unterstützer besser zu vernetzen und weitere Hilfsmaßnahmen auf eine verlässliche organisatorische Grundlage zu stellen. 

Nachdem sich die Versorgungslage in Kroatien etwas entspannt hatte, wandte sich der Verein einem Projekt für ehemalige Straßenkinder in Rumänien zu. Unterstützt wurde die „Kinderfarm Ariçesti“, eine dorfähnliche Einrichtung, in der meist Straßenkinder wohnen, die Schule besuchen, handwerkliche Fähigkeiten erwerben und schrittweise auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden konnten. Für dieses Vorhaben genügte die bisherige Sammlung von Einzelspenden auf Dauer nicht. Die Vereinsmitglieder suchten daher nach einer Form, die Öffentlichkeit, Gemeinschaftserlebnis und Mittelbeschaffung miteinander verband. 

Im Juli 1994 fand in der gerade aufgelösten Kemmelkaserne in Murnau das erste große Benefizfestival unter dem Namen Kulturknall statt. Mit den Einnahmen konnte unter anderem die Küche der rumänischen Kinderfarm ausgestattet werden; der zweite Kulturknall im darauffolgenden Jahr unterstützte den Bau einer Turnhalle. Damit war das Grundprinzip gefunden, das bis heute gilt: Menschen aus der Region stellen gemeinsam eine Kulturveranstaltung auf die Beine, und der wirtschaftliche Ertrag wird für soziale Projekte eingesetzt. 

Die Entstehungsgeschichte erklärt auch, weshalb der Benefizgedanke beim Kulturknall nicht als nachträgliche Ergänzung erscheint. Das Festival wurde nicht gegründet und später mit einem guten Zweck versehen. Vielmehr entstand es aus der Hilfsarbeit selbst. Kultur wurde zum Instrument, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, Menschen zusammenzubringen und langfristige Unterstützung zu ermöglichen. 

Eine Bühne ohne festen Ort

Zu den Besonderheiten des Kulturknalls gehört sein wechselnder Veranstaltungsort. Während viele Festivals dauerhaft an ein bestimmtes Gelände gebunden sind, wandert der Kulturknall durch Murnau, Seehausen und die Staffelseeregion. Der jeweilige Platz dient dabei nicht bloß als Kulisse. Seine Geschichte wird häufig zum Ausgangspunkt des Programms. 

2008 drehte sich alles um den Schriftsteller Ödön von Horváth, der lange in Murnau lebte. 2009 erinnerte das Festival auf dem ehemaligen Stahlbadgelände an die Anfänge des Tourismus am Staffelsee. In den folgenden Jahren standen die Insel Wörth, das Landhaus des Kunstförderers James Loeb und der Molo-Park im Mittelpunkt – jeweils mit Theater, Musik und passenden Inszenierungen.

So wird der Kulturknall zu einem Ort, an dem Geschichte neu erlebbar wird. Gebäude, Parks und Landschaften, an denen man sonst vielleicht achtlos vorbeigeht, rücken für ein Wochenende in den Mittelpunkt. Musik, Theater und gemeinsames Erleben verbinden dabei Vergangenheit und Gegenwart.

Termin 2026

2026 findet der Kulturknall am 25. und 26. Juli an der ehemaligen Seidlvilla im westlichen Teil des Murnauer Seidlparks statt. Damit knüpft das Festival an die frühere Fest- und Theatergeschichte des Geländes an. Der Park wurde vom Architekten Emanuel von Seidl um sein eigenes Landhaus angelegt. In der Villa verkehrten einst Gäste aus der Münchner Gesellschaft; auf dem Gelände wurden Feste und Freilichtaufführungen veranstaltet.

Musik, Kunst, Gespräche und Geselligkeit

Das Programm des Kulturknalls lässt sich kaum auf eine einzelne Sparte reduzieren. Über die Jahre war das Festival mal stärker von Musik, mal von Open-Air-Theater oder einem historischen Thema geprägt. Auf seinen Bühnen standen sowohl bekannte überregionale Namen als auch Bands, Solokünstler und Nachwuchsformationen aus der Region. Zu den früheren Gästen zählten nach Angaben des Vereins unter anderem LaBrassBanda, die Biermösl Blosn, Bananafishbones, the Notwist und Großstadtgeflüster. 

In jüngeren Ausgaben reichte das musikalische Spektrum von Jazz, Pop und Weltmusik bis zu Elektro, DJ-Sets und experimentellen Formaten. Dazu kommen Tanzvorführungen, Performancekunst, Feuerinszenierungen, Ausstellungen, Autorenlesungen und Informationsangebote. Für 2026 sind erneut zwei Bühnen, Bands, DJs, Solokünstler und Performancegruppen vorgesehen. Am Sonntagvormittag sollen auf der kleineren Paraplui-Bühne zudem Kinderhörspiele und Kindermusik live dargeboten werden. 

Die Standmeile übernimmt eine wichtige soziale Funktion. Dort begegnen sich Kunsthandwerk, örtliche Initiativen, Hilfsorganisationen und Gastronomie. Angeboten werden beispielsweise Keramik, Schmuck, Seifen, Kleidung und Informationen über soziale oder ökologische Projekte. Essen und Trinken gehören ausdrücklich zum Festcharakter. Neben unterschiedlichen zeitgemäßen Speisen finden sich Bier, Bratwurst und am Sonntag der traditionelle Frühschoppen mit Murnauer Weißwürsten. 

Gerade in dieser Mischung zeigt sich eine Stärke des Festivals. Wer wegen einer bestimmten Band kommt, stößt auf eine Kunstausstellung. Wer sich für örtliche Initiativen interessiert, erlebt nebenbei Theater oder Tanz. Andere besuchen das Fest in erster Linie, um Bekannte zu treffen, gemeinsam zu essen und zu ratschen. Der Kulturknall verlangt keine besondere kulturelle Vorbildung. Er schafft vielmehr verschiedene Zugänge zu Kunst und gesellschaftlichen Themen. 

Dazu gehört inzwischen auch der Klimapavillon. Dort wurden in den vergangenen Jahren Fragen rund um Wärmepumpen, Photovoltaik, kommunale Wärmeplanung und regionale Energienetze behandelt. 2025 übernahmen Schülerinnen und Schüler des Staffelsee-Gymnasiums die inhaltliche Gestaltung. Damit wird der Kulturbegriff des Festivals bewusst weit gefasst. Kultur meint nicht nur Musik, Literatur und Malerei, sondern ebenso die gemeinsame Auseinandersetzung mit der künftigen Gestaltung des Lebensraums. 

Der Kinderkulturknall – Mitmachen statt nur Zuschauen

Das Kinderprogramm bildet einen eigenen Festivalbereich. Angeboten werden unter anderem Basteln mit Naturmaterialien, Stelzenlaufen, Kinderschminken, Zirkus, Theater, Spiele und handwerkliche Werkstätten.

Die Kinder sind dabei nicht nur Zuschauer, sondern können selbst gestalten, ausprobieren und auftreten. Traditionelle Handwerkstechniken und Naturmaterialien werden mit zeitgemäßen, offenen Angeboten verbunden.

So entsteht ein gemeinsamer Raum für verschiedene Generationen: Erwachsene besuchen Konzerte, Ausstellungen und Gespräche, während Kinder in unmittelbarer Nähe eigene kulturelle Erfahrungen sammeln.

Ehrenamt mit viel Herzblut als tragende Struktur

Hinter dem Festival steht der gemeinnützige Verein Menschen Helfen e. V. Mehr als 100 Helferinnen und Helfer kümmern sich ehrenamtlich um Planung, Aufbau, Technik, Bewirtung, Kinderprogramm, Öffentlichkeitsarbeit und Abbau. Auch die auftretenden Künstler verzichten auf ihre Gagen.

Dadurch kann der Reinerlös unmittelbar in die Hilfsprojekte fließen. Zugleich bringen Menschen unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Berufen ihre Fähigkeiten ein. Der Kulturknall ist deshalb nicht nur eine Veranstaltung für die Region, sondern ein gemeinsames Projekt der Region.

Die Empfänger der internationalen Hilfe

Die Hilfsprojekte des Vereins zeigen, wo Menschen in Europa und darüber hinaus Unterstützung benötigten. Den Anfang machte 1993 ein Projekt in Zazina. Dort lebten damals viele Menschen, die aus dem kroatischen Grenzgebiet vertrieben worden waren. Mit Lebensmitteln und Medikamenten half der Verein bei der Grundversorgung.

1994 und 1995 unterstützte „Menschen Helfen“ die bereits erwähnte Kinderfarm Ariçesti in Rumänien.

Zwischen 1996 und 2000 organisierte der Verein mehrere Hilfstransporte nach Gornji Vakuf in Bosnien. Die Kleinstadt hatte zusätzlich zur eigenen Bevölkerung zahlreiche Geflüchtete aufgenommen. Geliefert wurden vor allem Lebensmittel und Hygieneartikel. Örtliche Hilfsorganisationen verteilten diese unter anderem an Schulen, Kindergärten, ältere und kranke Menschen sowie Menschen mit Behinderungen.

Ab 2000 engagierte sich der Verein wieder verstärkt in Rumänien. Im Kinderheim „Canaan“ in Șercaia lebten Waisenkinder und von ihren Familien verlassene Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen. Mit Spenden und Einnahmen aus Veranstaltungen unterstützte der Verein unter anderem den Bau eines weiteren Wohnhauses und einer Zentralküche. 2003 gründete er gemeinsam mit Partnern eine Stiftung für die Behindertenarbeit in Rumänien. Die Erträge des Stiftungskapitals sollten die Betreuung in einer Werkstatt in Făgăraș langfristig unterstützen.

Daneben gab es immer wieder einzelne Hilfsaktionen. Nach dem Tsunami im Indischen Ozean half der Verein 2005 gemeinsam mit einer Partnerorganisation 27 Bauernfamilien im indischen Kadaikadu. Sie erhielten Unterstützung für den Wiederaufbau sowie Nutztiere, Lebensmittel, Fahrräder, Schulmaterial und Nähmaschinen. Letztere sollten den Familien dabei helfen, sich eine eigene Einkommensquelle aufzubauen. 2007 förderte der Verein außerdem den Bau einer schattenspendenden Spielhalle für einen Kindergarten im tansanischen Njenga.

Von 2006 bis 2009 beteiligte sich „Menschen Helfen“ an der Sanierung eines Internats für bedürftige Kinder und Kinder mit leichten Behinderungen in Strășeni in der Republik Moldau. Unter anderem entstanden eine Tischlerei, eine Schneiderei und eine Bäckerei. Dort konnten ältere Schülerinnen und Schüler praktische Fähigkeiten für ihr späteres Berufsleben erlernen. Auch Dächer, Wohngebäude und die Kantine wurden erneuert oder erweitert.

Bei allen Projekten war dem Verein wichtig, nicht nur kurzfristig zu helfen. Gemeinsam mit Partnern vor Ort wurden Einrichtungen aufgebaut oder verbessert und Angebote geschaffen, die den Menschen langfristig mehr Selbstständigkeit ermöglichen sollten. Durch Besuche und einen regelmäßigen Austausch blieb der Verein mit den Projekten und Partnerorganisationen in Kontakt.

Grigorauca, der Schwerpunkt 2026

Seit 2009 unterstützt Menschen Helfen das Kindertageszentrum „Heilige Maria“ im moldauischen Dorf Grigorauca. Dort werden derzeit 136 Kinder aus wirtschaftlich und sozial belasteten Familien betreut.

Sie erhalten eine warme Mahlzeit, Hausaufgabenhilfe, pädagogische Unterstützung und verschiedene Förderangebote. Dazu gehören Handwerk, Informationstechnologie, Sport und Theater. Das Zentrum schafft verlässliche Tagesstrukturen und verbessert die Bildungs- und Entwicklungschancen der Kinder.

Die jährlichen Einnahmen des Kulturknalls helfen dabei, diese kontinuierliche Arbeit zu finanzieren.

Kindertageszentrum „Heilige Maria“ in Grigorauca

Hilfe in der Staffelseeregion

Der Verein engagiert sich auch vor Ort. Seit 2006 können über einen Kinderfonds Einrichtungen und Menschen in Murnau, Seehausen und der näheren Umgebung unterstützt werden.

Gefördert wurden unter anderem Kindergärten, die Kreativwerkstatt Murnau, der Kinderhort Bienenhaus, Zeltlager, der Familienstützpunkt und Menschen in akuten Notlagen.

Damit verbindet der Kulturknall regionale Verantwortung mit internationaler Solidarität. Beides gehört zum selben Grundgedanken: Gemeinsam feiern, gemeinsam helfen.

Text von Rick Albrecht

Es gibt Projekte, die beginnen nicht mit einem Businessplan, nicht mit Förderformularen und nicht mit großen Ankündigungen. Sie beginnen mit einem Satz wie: „Das darf nicht verloren gehen.“ Oder: „Da müsste man doch etwas tun.“ Manchmal steht am Anfang ein alter Hof, der wieder klingen soll. Manchmal ein Dialektwort, das die Enkel nicht mehr verstehen. Manchmal ein leerer Raum im Dorf, eine vergessene Kapelle, eine seltene Handwerkstechnik, ein Volksmusikabend, ein Naturpfad, ein Archivkarton voller Erinnerungen. Aus solchen Anfängen wachsen Herzensprojekte. 

Mit dieser Reihe, die den Titel „Herzenssache“ trägt, möchten wir Menschen aus Oberbayern vorstellen, die sich genau solchen Vorhaben widmen. Es geht um Frauen und Männer, die neben Beruf, Familie und Alltag Zeit, Kraft und oft auch eigenes Geld einsetzen, weil ihnen etwas am Herzen liegt. Ihre Projekte sind häufig klein im äußeren Maßstab, aber groß in ihrer Bedeutung. Sie bewahren, beleben, verbinden und erzählen davon, was eine Region ausmacht. 

Oberbayern ist reich an Kultur. Doch dieser Reichtum bleibt nur lebendig, wenn Menschen ihn weitertragen. Tradition ist kein Museumsstück hinter Glas. Sie braucht Hände, Stimmen, Orte und Gelegenheiten. Sie braucht jemanden, der den Schlüssel zum Vereinsheim holt, Noten kopiert, Zeitzeugen befragt, Jugendliche einlädt, alte Fotos sortiert, einen Garten pflegt oder eine Bühne aufbaut. Oft sind es genau diese unspektakulären Tätigkeiten, die am Ende darüber entscheiden, ob ein Stück regionaler Identität weiterlebt oder still verschwindet. 

Die kommenden Beiträge richten den Blick deshalb nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch auf die Menschen dahinter. Was treibt sie an? Wann wurde aus einer Idee eine Aufgabe? Welche Widerstände gab es? Wer hat geholfen? Und warum lohnt es sich, dranzubleiben, auch wenn die Arbeit manchmal mühsam ist und der Applaus ausbleibt? Die Antworten darauf erzählen viel über Zusammenhalt, Heimatgefühl und die stille Kraft bürgerschaftlichen Engagements. 

Dabei soll „Herzenssache“ keine nostalgische Rückschau werden. Viele der Projekte, die wir vorstellen werden, sind gerade deshalb wichtig, weil sie Brücken in die Zukunft schlagen. Sie machen alte Themen für junge Menschen zugänglich, verbinden regionale Kultur mit neuen Medien, schaffen Begegnungen zwischen Generationen oder geben Zugezogenen eine Möglichkeit, ihre neue Heimat besser kennenzulernen. Wer sich für lokale Kultur engagiert, schützt nicht nur Vergangenes, sondern gestaltet Gegenwart. 

Diese Reihe versteht sich auch als Einladung. Nicht jedes Herzensprojekt braucht sofort große Mittel. Manchmal hilft eine Stunde Zeit, ein Hinweis, eine Spende, ein Werkzeug, ein Raum, ein Kontakt oder schlicht die Bereitschaft, zuzuhören. Engagement beginnt oft kleiner, als man denkt. Wer einen Themen-Abend besucht, eine Ausstellung weiterempfiehlt, beim Aufbau anpackt oder einem Verein beitritt, wird Teil eines Netzes, das unsere Orte trägt. 

Entscheidend ist dabei, dass wir diese Geschichten nicht als Ausnahme betrachten. Hinter jedem Porträt steht die Frage, was eine Gemeinschaft möglich macht, wenn einzelne den ersten Schritt wagen. Vielleicht entsteht aus der Lektüre ein Besuch, ein Gespräch, eine Mithilfe. Vielleicht auch die Erinnerung daran, dass Heimat nicht Besitz ist, sondern Beziehung und tägliche Praxis in Oberbayern. 

In einer Zeit, in der vieles schneller, austauschbarer und anonymer wirkt, erinnern Herzensprojekte daran, dass Kultur vor Ort entsteht. Sie lebt in Werkstätten und Proberäumen, auf Almen und in Schulhäusern, in Archiven, Kirchen, Wirtshaussälen und Wohnzimmern. Sie lebt durch Menschen, die nicht fragen, ob sich etwas lohnt, sondern spüren, dass es wichtig ist. 

„Herzenssache“ möchte diesen Menschen eine Stimme geben. Ihre Geschichten sollen Mut machen, genauer hinzusehen: Welche Initiative in meiner Nähe verdient Unterstützung? Welche Erinnerung, welches Können, welcher Ort wartet darauf, weitergetragen zu werden? Oberbayern hat viele Schätze. Manche liegen nicht verborgen in Museen, sondern mitten unter uns, in den Händen derer, die mit Herz daran arbeiten. 

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