Licht und Schatten
Licht und Schatten
Der Mai wirkt auf den ersten Blick wie der Monat, in dem alles leicht wird.
Die Luft ist warm, die Wege trocken, das Grün ist nicht mehr Versprechen, sondern Wirklichkeit. Im Oberland beginnt jetzt die Zeit der offenen Türen, der Feste, der Bewegung nach draußen.
Und doch lohnt ein zweiter Blick: die Römer sahen im Mai keinen einfachen Frühlingsmonat. Ovid beschreibt ihn als widersprüchlich – zwischen Fruchtbarkeit und Unruhe, zwischen öffentlichem Leben und stillen, nächtlichen Ritualen.
Tagsüber war der Mai auch damals ein Monat der Begegnung: Märkte, Wege, Gemeinschaft. Nachts jedoch kehrte eine andere Dimension ein. In den sogenannten Lemuria glaubten Familien, die ruhelosen Geister der Verstorbenen aus dem Haus lösen zu müssen – ein leiser Hinweis darauf, dass jeder Aufbruch auch seine Schatten kennt.
Der Mai galt im alten Rom sogar als ungünstiger Hochzeitsmonat – zu sehr war er mit Übergängen und Unsicherheit verbunden.