Bergbau in Großweil
Bergbau in Großweil
Bergbau in Großweil
Kohle, Krisenjahre und ein stilles Erbe
Im Gemeindegebiet von Großweil wurde über viele Jahrzehnte Braunkohle beziehungsweise Schieferkohle gewonnen – ein schwach verfestigter Brennstoff, dessen Abbau hier seit mindestens 1796 nachweisbar ist. Richtig an Bedeutung gewann der Bergbau jedoch erst während des Ersten Weltkriegs, als Bayern unter akutem Brennstoffmangel litt. Um 1920 arbeiteten rund 280 Männer im Großweiler Bergwerk, das in Spitzenzeiten mehr als 52 000 Tonnen Kohle im Jahr förderte. Insgesamt wurden bis zur endgültigen Stilllegung 1962 rund 360 000 Tonnen gewonnen.
Der Abbau begann im Tagebau und verlagerte sich später zunehmend unter Tage. Um die Kohle effizient abtransportieren zu können, entstand 1917/18 eine Materialseilbahn vom Ort zum sechs Kilometer entfernten Bahnhof Kochel – ein technisches Großprojekt für die damalige Zeit. Ein markantes Überbleibsel dieser Infrastruktur ist der Betonbogen an der Murnauer Straße, der die Hauptstraße vor herabfallenden Kohlestücken schützen sollte und heute als stummes Erinnerungsstück aus jener Epoche gilt.
Die Großweiler Kohle selbst war von eher geringer Qualität, ihr Heizwert blieb weit hinter dem klassischer Steinkohle zurück. Dieser Umstand, zusammen mit steigenden Abbaukosten und sinkender Nachfrage, machte den Betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend unrentabel. 1959 lag die Jahresförderung bereits bei nur noch etwas über 1 000 Tonnen – ein Symbol für das allmähliche Ende einer Ära.
Für die Menschen in Großweil war der Bergbau dennoch prägend. Viele Familien lebten direkt oder indirekt davon, und die technische Infrastruktur veränderte das Ortsbild ebenso wie die Landschaft. Heute erinnern nur noch einzelne Relikte wie der Betonbogen oder verfüllte Stollenstandorte an jene Zeit. Die Gemeinde führt die Kohlegewinnung bis heute als Teil ihrer historischen Wirtschaftsidentität – als Beispiel dafür, dass industrieller Bergbau nicht nur in klassischen Revierlandschaften stattfand, sondern auch in ländlichen Regionen am Alpenrand.