Unsere Bodenschätze
Schicht im Schacht Bergbau in Oberbayern Orte Intergalaktisches Peißenberg Der Winkler-Film
Schicht im Schacht Bergbau in Oberbayern Orte Intergalaktisches Peißenberg Der Winkler-Film
Als im Frühjahr 2025 das Kohlekraftwerk Zolling im Landkreis Freising vom Netz ging, markierte dies einen wichtigen Schritt für die Energiewende in Bayern. Der große Kohleblock mit einer Leistung von rund 500 Megawatt war der letzte seiner Art im Freistaat. Strom wurde in den Kraftwerken vor allem aus Braunkohle gewonnen. Während Steinkohle mittlerweile importiert werden muss, gibt es Braunkohle im Tagebau noch im Rheinland, in der Lausitz und in Mitteldeutschland. Doch dieser Strom ist besonders klimaschädlich. Bei der Verbrennung von Braunkohle entsteht jede Menge Kohlendioxid, mehr noch als bei Steinkohle.
Kohle spielt in der bayerischen Stromproduktion seit Langem eine nachrangige Rolle. Die Biogasanlagen im Freistaat kommen auf vier Mal so viel Leistung wie früher das Kohlekraftwerk in Zolling, die Wasserkraftwerke und Windräder sogar jeweils auf fünf Mal so viel. Photovoltaikanlagen haben insgesamt 50-mal so viel Leistung. Nach Angaben des Betreiber-Unternehmens Onyx Power wurden 2024 in Zolling rund 370 000 Tonnen Kohle verbraucht.
Auch wenn mit Bergbau und Kohle in erster Linie das Ruhrgebiet assoziiert wird, gab es eine jahrhundertelange Bergwerks-Tradition in Bayern. Im Oberland finden sich noch Spuren aus jener Zeit. Etwa in Peißenberg, Hohenpeißenberg, Peiting und Hausham – die Orte wurden geprägt von der Kohlegewinnung. In Großweil reicht der Abbau von Braunkohle bis ins 18. Jahrhundert zurück. Ohne das Pechkohlevorkommen wäre aus Penzberg vielleicht nie eine Stadt geworden.
Doch die Anfänge liegen noch weiter zurück. Am Ende des 16. Jahrhunderts entdeckten die Menschen im Oberland, dass der Boden unter ihren Füßen mehr ist als bloße Erde. Sie begannen, unter anderem nach Kohle zu schürfen. Erste Bergbauaktivitäten sind in Peiting vor mehr als 400 Jahren dokumentiert. Von da an begann die Ära des Bergbaus im Oberland, der bis ins 20. Jahrhundert Millionen Tonnen „schwarzes Gold“ ans Tageslicht bringen sollte. 1837 startete der staatliche Kohlebergbau am Hohen Peißenberg mit der Anordnung durch König Ludwig I. So entstand mit dem Bergwerk Peißenberg der größte Abbaustandort der Region mit knapp 4000 Beschäftigten über und unter Tage. Von 1796 bis 1966 wurden in Penzberg mehr als 25 Millionen Tonnen Kohle gefördert.
Erdöl verdrängte die Kohle
Anfang der 1960er-Jahre drängte das im Vergleich zur Kohle billigere Erdöl auf den Energiemarkt. Der Kohlebergbau im Oberland wurde unrentabel. Einer, der die Schließung des Penzberger Bergwerks miterlebt hat, ist Ewald Bätz. Der 89-jährige Penzberger hat achteinhalb Jahre als Bergmann gearbeitet und war bei der letzten Schicht am 30. September 1966 dabei. Bätz nahm sich Zeit für „Zeit im Oberland“ um sich an jene Jahre zu erinnern.
Geboren wurde Ewald Bätz am 31. Januar 1936 in Fischbach in Unterfranken. Bergmann zu werden, war nicht der erste Wunsch des Teenagers. Er machte zunächst eine Lehre als Bau- und Möbelschreiner. Doch der Lohn war schlecht. „1,98 Mark habe ich bekommen“, erzählt Bätz. Es war des lieben Geldes wegen, weshalb sich der junge Mann umentschied. „Ich weiß nicht mehr, wie viel es war, aber es war auf alle Fälle mehr.“ Im Mai 1958 kam er nach Penzberg und durchlief die übliche Lehre.
Normalerweise nach Abschluss der Volksschule konnte ein Jugendlicher im Alter zwischen 14 und 16 Jahren ins Bergwerk eintreten. Der Berglehrling wurde zunächst nur für Hilfsarbeiten eingesetzt – über Tage in verschiedenen Abteilungen wie auf dem Holzplatz oder in der Kohlenwäsche. Mit 16 Jahren durften die Lehrlinge auch unter Tage mithelfen. Drei Jahre dauerte die Ausbildung, die auch den Besuch der bergmännischen Berufsschule einschloss.
Mit 18 Jahren folgte die Knappenprüfung. Der Knappe durfte nun im sogenannten Gedinge – eine Art Akkordarbeit - eingesetzt werden. Nach etwa drei Jahren Arbeit als Lehrhauer und den Besuch eines einjährigen Kurses konnte die Hauerprüfung abgelegt werden. Als Hauer war ein Bergmann mit allen unter Tage anfallenden Arbeiten betraut. Er arbeitete eigenverantwortlich mit seinen Kollegen im Gedinge.
Am 18. September 1963 hat Ewald Bätz seine Hauerprüfung bestanden. „In Penzberg hat es ja kaum eine andere Arbeit gegeben“, erzählt Bätz. Und Bergmann zu sein, habe auch seine Vorteile gehabt. „Man hatte Anspruch auf eine Wohnung“, sagt der 89-Jährige. Und dann war da noch die Deputatkohle. Sie sollte den Bergleuten zum Kochen und Heizen in der eigenen Wohnung dienen und war als Sachleistung Lohnbestandteil sowie in den Tarifverträgen des Bergbaues festgelegt.
„Ich hatte keine Ahnung, wie eng es ist“
Unter Tage zu arbeiten, sei eine „gewaltige Umstellung“ gewesen. „Ich hatte vorher keine Ahnung, wie eng es dort ist“, erzählt Bätz. An die Lichtverhältnisse so tief unter der Erde musste er sich erst gewöhnen. „Dreinfinden“, nennt der Penzberger es. Die Schicht dauerte sechs Stunden inklusive das Einfahren und wieder Ausfahren. Bis zur Abbaustelle – daher kommt der Begriff „vor Ort“ – waren 20 bis 30 Minuten Fußweg nötig. Oftmals konnte die Kohle nur kauernd a gebaut werden.
Unfälle habe es immer wieder gegeben, erzählt Bätz. Davon zeugt die Erinnerungstafel an die Verstorbenen im Penzberger Bergwerksmuseum. Bis 1966 verunglückten im Bergwerk 246 Personen tödlich. Gebrochene Knochen, gequetschte Finger, Blessuren im Gesicht – Bätz erinnert sich auch daran. Dass die Arbeit im Bergwerk nicht die gesündeste war, beweisen auch Röntgenbilder im Penzberger Bergwerksmuseum. Silikose oder Staublunge ist eine typische Krankheit von Bergleuten.
Mehr als 600 Meter grub sich der Nonnenwaldschacht (heute auf dem Werksgelände des Biotech-Unternehmens Roche) senkrecht hinunter, nochmals gut 100 Meter tiefer wurde auf den Strecken Pechkohle abgebaut. So tief unter der Erde wäre es ohne Lüftung etwa 40 Grad Celsius warm gewesen. Doch die „Bewetterung“ brachte Frischluft: Der Wetterschacht in Hohenbirken, Gemeinde Bad Heilbrunn im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, sorgte für Zirkulation und Abkühlung auf 26 bis 28 Grad Celsius.
So weit unten im Bauch der Erde muss man sich auf seine Kollegen verlassen können. „Die Kameradschaft war gut und wichtig“, erzählt Bätz. „Wir waren aufeinander angewiesen.“
Eine Anekdote hat es dem 89-Jährigen besonders angetan: Fuhren die Bergleute in den Nonnenwaldschacht ein oder aus, legte die Seilbahn acht Meter pro Sekunde zurück. Bei Materialtransporten war die Geschwindigkeit deutlich schneller: 16 Meter pro Sekunde. Obschon es verboten war, fuhren die Bergleute manchmal mit dem Materialtransport. Da habe es ihm schon die Füße vom Boden gezogen, sagt er.
In den Bergwerken wie Peißenberg oder Penzberg arbeiteten nicht nur Männer. In Penzberg wurden die Frauen, die beim Sortieren der Kohle und beim Rangieren der Hunte – Wagen mit denen die Kohle befördert wurde – Schwerstarbeit leisteten, „Kohlstadlschicksen“ genannt. Sie waren zumeist junge, unverheiratete Frauen mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein und eigenem Geld in der Tasche.
Die oberbayrische Pechkohle entstand vor rund 40 Millionen Jahren in den Sümpfen und Mooren der Region. Im Laufe dieser Zeit wandelten sich organische Materialien von Torf zu Kohle. Sie ist nicht so hochwertig wie Steinkohle und sehr schwefelhaltig. Bätz erinnert sich, dass die Flöze in Penzberg von gelblichen Schichten durchzogen waren. „Stinkstein“, nennt er sie. Dieses Material musste aussortiert werden und wurde in Marienstein zu „Romankalk“ oder „Romanzement“ weiterverarbeitet. Heutzutage findet dieser Kalk in der Baudenkmalpflege Verwendung.
„Da musste man sich nicht so schinden“
Als 1966 in Penzberg das Bergwerk geschlossen wurde, steckte die Stadt in der Krise. „Behalten Sie ruhig Blut“, appellierte 1965 der damalige Bürgermeister Anton Prandl an die Bevölkerung. Bayerisches Wirtschaftsministerium und die Stadt bemühten sich, Betriebe nach Penzberg zu locken. Mit Erfolg. Das größte Unternehmen war MAN. Es sagte zu, 1966 in Penzberg eine Omnibusfertigung für 700 Beschäftigte aufzubauen.
Peißenberg schloss am 31. März 1971. Auch dort konnten neue Betriebe angesiedelt werden. Unteranderem siedelten sich dort Siemens, Agfa Gevaert und MTU an.
Als es „Schicht im Schacht“ in Penzberg hieß, habe ihn das beruflich nicht hart getroffen, so Bätz. Er profitierte von seiner ersten Lehre. Als Schreiner arbeitete er im Innenausbau der Omnibusse bei MAN. „Da musste man sich nicht so schinden wie im Bergwerk“, betont der 89-Jährige. Die erste Busse aus Penzberg seien nach Castrop-Rauxel im Ruhrgebiet geliefert worden. „Zu den Kameraden dort in der Zeche. Die Busse waren braun lackiert.“
Heute sind die ehemaligen Schächte wie in Peißenberg entweder geflutet, zusammengebrochen oder verschüttet. Teilweise liegen unter der Erde noch Werkzeuge und Maschinen – das große „Geheimnis Bergbau“ ist noch da. Weit unter unseren Füßen.
Text von Simon Fritzenschaft und Alexandra Vecchiato
Bayerischer Rundfunk: 50 Jahre Schicht im Schacht
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Ressourcenräume, Identitäten, Infrastrukturen
Oberbayern ist bergbaulich vielfältiger, als die touristischen Postkarten vermuten lassen. Zwischen Alpenrand und Voralpenland prägen Salz, Pechkohle und Torf seit Jahrhunderten Landschaften, Arbeitswelten und Alltagskulturen. Der Bogen reicht von den früh- und hochmittelalterlich belegten Salz- und Metallgewerben über die frühneuzeitlichen Salinen, die Industrialisierung der Pechkohle in Penzberg und (Hohen-)Peißenberg bis zu technischen Weltpremieren wie der 57 Kilometer langen Gleichstrom-Fernübertragung Miesbach–München (1882). Oberbayern ist damit ein exemplarischer „Ressourcenraum“, in dem Sprache („Hall“), Trachten, Lieder („Steigerlied“), Vereinskulturen und Technikmilieus in Beziehung stehen.
Römische Provinz Retina und frühe Salztraditionen
Die römische Provinz Raetia umfasste große Teile des heutigen Südbayerns zwischen Donau und Inn. Archäologische und schriftliche Indizien deuten darauf, dass natürliche Solequellen am Alpenrand (Bad Reichenhall) bereits früh genutzt wurden; die erste gesicherte schriftliche Nennung der Reichenhaller Siedepfannen datiert auf 696 n. Chr. Spätestens im Frühmittelalter entstand daraus ein dauerhaftes Salzgewerbe, das den Ort und seine Umgebung prägte.
Begriffs- und Quellenlage:
Für die römische Epoche gibt es in Oberbayern weniger Bergbauakten als in alpinen Nachbarregionen; die Salzgeschichte Reichenhalls ist vor- und frühmittelalterlich gut belegt und wird archäologisch weiter erforscht.
Der „Hall“-Raum: Linguistische Spuren der Salzgewinnung
Die Endung bzw. der Namensbestandteil „hall“ (wie in Reichenhall) gilt in der Forschung als salz- und salinenbezogener Terminus technicus mit möglichen keltischen Bezügen (halen/holen = Salz) bzw. als frühmittelalterliches Fachwort der Montanistik. Die Namengebung verweist somit auf die semantische Dichte von Salzorten im deutschen und ostalpinen Raum.
Sprachgeschichte:
„Hall“ signalisiert häufig Salzstandorte (Hallein, Hallstatt, Bad Reichenhall), ist aber nicht in jedem Fall salzbezogen. Varianten in Norddeutschland leiten sich teils von Hal- = „Hang/Abhang“ ab.
„Glückauf!“ – Lieder, Trachten, Vereine: Das Montanwesen kulturell
Der Bergmannsgruß „Glück auf!“ – seit dem 16./17. Jh. belegt – bündelt Hoffnung („der Berg möge sich auftun“) und Sicherheitswunsch („gesund ausfahren“). Er fand Eingang in Lyrik, Vereinswesen und Alltagskommunikation. Das „Steigerlied“ (Hymne der Bergleute) entstand in erzgebirgischem Kontext und wurde 2023 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen; seine Wirkung reicht in alle deutschen Bergreviere, auch nach Oberbayern (Knappen- und Musikkapellen, Traditionszüge).
Berghabit und Tracht: Regional unterschiedliche Bergmannstrachten – vom „maximilianischen“ Weiß bis zum schwarzen Paradehabit – strukturieren Feste, Gedenkfeiern und Musikvereine (Knappenkapellen). In Penzberg und Peißenberg pflegen Bergknappenvereine lebendige Erinnerungskultur.
Der “Glückauf Bote” des Bergknappen-Vereins Penzberg e.V. ist als Informationsblatt für die Vereinsmitglieder in Penzberg gedacht und wird in Eigenregie hergestellt und herausgegeben. Klicken Sie zum Öffnen einfach auf die jeweilige Abbildung der Ausgabe.
Rohstoffe, Energie, Industriekultur
Seit dem 18./19. Jh. wurden oberbayerische Moore entwässert, kultiviert und industriell Torf abgebaut (Brenn- und Streumaterial, zeitweise auch für Salinen). Der Torfabbau dämpfte lokalen Brennholzdruck, endete in Bayern weitgehend im 20. Jh.; heute steht Moorschutz im Vordergrund.
Miesbach–München 1882: Die weltweit erste Fernübertragung elektrischer Energie über eine größere Strecke (57 Kilometer, bis 2 kV Gleichspannung) wurde anlässlich der Münchner Elektrizitätsausstellung realisiert (Oskar von Miller/Marcel Deprez) – eine Symbolhandlung der Energiemodernisierung in einem vom Bergbau geprägten Raum.
Alte Saline Bad Reichenhall – Industriedenkmal, Salzmuseum, Untertageführung (Hauptbrunnhaus, Pumpen, Brunnenstuben).
Salzbergwerk Berchtesgaden – aktiver nasser Abbau und Schaubergwerk, multimediale „SalzZeitReise“.
Bergbaumuseum Peißenberg / Tiefstollen – regionale Kohlegeschichte „von der Entstehung bis zur letzten Schicht“.
Bergwerksmuseum Penzberg– Sammlungen des Bergknappenvereins seit 1968, Rundwege, Freizeitgelände Berghalde (Abraumhalde).
Oberbayerns Bergbau als Kulturtechnik
Oberbayerns Bergbaugeschichte ist mehr als Rohstoffgewinnung: Sie ist Sprach- und Stadtkultur (Hall), musikalisches Vermächtnis (Steigerlied), Technikgeschichte (Soleleitung, Wassersäulenmaschinen, Elektrizitätstransfer), Sozialgeschichte (Knappschaften, Migration, Vereinswesen) und Umweltgeschichte (Wald–Salz–Torf). Vom römisch/frühmittelalterlichen Salz bis zu den Pechkohle-Revieren und heutigen Museen reicht eine Traditionslinie, die – im besten Sinne – Industriekultur ist.
Text von Rick Albrecht
Der Bergbau hat im bayerischen Oberland deutliche Spuren hinterlassen – in Orten, deren Entwicklung ohne Kohle, Erz oder Kalk ganz anders verlaufen wäre. Großweil, Mittenwald und Garmisch tragen frühe Hinweise auf Abbau und Verarbeitung in ihrem Boden. In Peißenberg, Hohenpeißenberg und Peiting entstand über Jahrhunderte ein bedeutendes Zentrum des Kohlebergbaus, das ganze Generationen geprägt hat. Auch Hausham und Marienstein bei Miesbach verdanken ihre Geschichte den Vorkommen unter Tage und den Menschen, die sie förderten.
Diese Orte stehen stellvertretend für eine Region, in der der Bergbau Landschaft und Leben formte.
Lange bevor das Raumschiff Enterprise mit Captain James T. Kirk und Mister Spock die Fernsehzuschauer hierzulande in die unendlichen Weiten des Universums entführte, war es eine deutsche Science-Fiction-Produktion, die außerirdisches Leben filmische Realität werden ließ. Die Abenteuer der Raumpatrouille Orion haben längst Kultstatus. Einige Szenen wurden in Peißenberg gedreht. Die Abraumhalde, Relikt des Kohlebergbaus, war Kulisse für die Crew von Kommandant Cliff Allister McLane.
„Raumpatrouille – die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion“
„Raumpatrouille – die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion“ war die erste deutsche Science-Fiction-Fernsehserie. Sie startete am 17. September 1966, einem Samstag, zur besten Sendezeit in der ARD. Der Start war fast zeitgleich mit „Star Trek“ in den USA. Tatsächlich liegen nur neun Tage zwischen dem „Jungfernflug“ der Enterprise und der Orion VII. Die US-amerikanische Serie wurde am 8. September 1966 auf NBC erst ausgestrahlt. Im deutschen Fernsehen wurden die Star-Trek-Geschichten erst von 1972 an gesendet.
Stars des deutschen Films wirkten bei „Raumschiff Orion“ mit. Dietmar Schönherr als Major McLane, Eva Pflug als Tamara Jagellovsk vom Galaktischen Sicherheitsdienst (GSD) oder Wolfgang Völz als Leutnant Mario de Monti. Die Crew war international – und emanzipiert. Die Flotte der schnellen Raumkreuzer wurde von einer Frau befehligt: General Lydia van Dyke alias Charlotte Kerr.
Die Schwarz-weiß-Folgen erzielten hohe Einschaltquoten und galten wie die Krimis von Edgar Wallace als Straßenfeger. Es war auch die erste Serie, die in deutsch-französischer Koproduktion entstand.
Die Handlung spielt in einer fernen Zukunft. Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Menschen besiedeln fremde Planeten, der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen. McLane und seine Besatzung patrouillieren auf dem Weltraumkreuzer Orion an den Außenposten der Erde und verteidigen die Menschheit vor den außerirdischen „Frogs“, einer feindlichen Rasse.
Gedreht wurde die Serie seit 1. März 1965 auf 35-Millimeter-Film meistens in den Bavaria-Film-Studios. Die Peißenberger Berghalde diente als Oberfläche diverser Planeten und Planetoiden (Pallas, N 116a, N 118 und Mura) und war in mehreren Folgen zu sehen. Überhaupt war die Filmcrew sehr kreativ, was die Ausstattung und Spezialeffekte betrifft. In Zeiten fernab von computergenerierten Bildern mussten verfremdete Bügeleisen, Bleistiftanspitzer, Garnrollen, Thermostate, Wasserhähne und mehr als Armaturen und Dekorationen herhalten.
Die meisten Szenen finden sich in der Folge 5 "Kampf um die Sonne".
Im Bergwerksmuseum Peißenberg ist eine Ausstellung mit vielen alten Bildern vom Dreh der Orion auf der Berghalde zu sehen. Sogar ein Modell des schnellen Raumkreuzers kann bestaunt werden.
Fanseite zur Serie
Bei der Fanseite Starlight-Casino handelt es sich um eine nicht-kommerzielle, private Fanseite.
Text von Alexandra Vecchiato
Mediathek
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Es ist eine Kostbarkeit in Schwarz-weiß. Ein rares filmisches Dokument der Bergwerkszeit in Penzberg. Und im wahrsten Sinne des Wortes „brandgefährlich“. Im Tresor des Rathauses liegt der Originalfilm von Albert Winkler, der 1929 das Leben in seiner Wahlheimat dokumentierte. Winkler verwendete einen Nitrozellulosefilm, der, einmal in Brand geraten, nicht mehr zu löschen ist. Dass dieses wertvolle historische Zeugnis dennoch für die Nachwelt erhalten bleibt, ist das Verdienst von Günter Bergel. Seit 1999 hält der Penzberger große Ereignisse der Stadt filmisch fest.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten dreht Günter Bergel Dokumentationen über und im Auftrag der Stadt Penzberg – unter anderem über das Gedenken an die Mordnacht 1945 oder die Schließung des Bergwerks. Seine Filme waren beim Millenniumsfest und auf Bürgerversammlungen zu sehen. Auch als Unterrichtsmaterial werden sie verwendet.
Seinen ersten Job erhielt er ohne Bezahlung
Als junger Bursche mit 14 fing Bergel an, sich fürs Filmen zu interessieren. Seinen ersten Job für die Stadt erhielt er 1969 als 19-Jähriger – noch ohne Bezahlung. Der damalige Penzberger Bürgermeister Anton Prandl wünschte, Penzbergs 50-Jahr-Feier in Wort und Bild festzuhalten. Gedreht wurde mit einer Super-8-Kamera, ohne Ton. Darum sollte sich Günter Bergel mit seinem batteriebetriebenen Aufnahmegerät kümmern. „Nach der Feier wollte davon niemand mehr etwas wissen“, erinnert er sich.
Beim Festabend in der Stadthalle traf er Albert Winkler, Jahrgang 1890. Der Schulrektor a.D. hielt eine Festrede. Gerne hätte Winkler zu diesem Anlass den Film „Penzberg, die oberbayerische Grubenstadt“ gezeigt, zu dem er das Manuskript verfasst hatte. Dieser bestand aus zwei Teilen: 1. Heimat und 2. Arbeit: das Kohlebergwerk. In Auftrag gegeben hatten die Dokumentation Bürgermeister Hans Rummer, der von den Nazis am 28. April 1945 (Penzberger Mordnacht) erschossen wurde, und der Stadtrat anlässlich des zehnjährigen Stadtjubiläums. Produzent war der Filmpionier Martin Kopp, Chef der gleichnamigen Filmwerke in München, die unter anderem den ersten Film von Karl Valentin „Karl Valentins Hochzeit“ herausbrachten.
„Da bleibe ich keine 14 Tage“
Winkler ging davon aus, der Dokumentarfilm sei verlorengegangen. Doch das war ein Irrtum. Prandl hatte das Original in den späten 1950er-Jahren auf ein moderneres Format umwandeln lassen: auf 16 Millimeter – „mit Musikdudelei unterlegt“, so Bergel.
Winklers Werk hat eine „gewisse Exklusivität“. Aus diesem Grund war es wieder ein Bürgermeister, der den Film gesichert sehen wollte. Hans Mummert bat Bergel, das Dokument auf VHS-Kassette zu überspielen. Weil bei all diesen Überarbeitungen die eingeblendeten Textpassagen beschnitten wurden, entschloss sich Bergel, sie komplett zu entfernen und Winklers Manuskript einzulesen.
Inzwischen wurde der gut 30-minütige Streifen digitalisiert. Ein Auszug ist im Bergbaumuseum der Stadt Penzberg zu sehen. Zu neuen Ehren soll er kommen, wenn im kommenden Jahr sich die Schließung des Penzberger Bergwerks zum 60. Mal jährt.
Der 75 Jahre alte Bergel weiß noch eine Anekdote über Winkler zu berichten: Als dieser als junger Referendar am Bahnhof der „hässlichen“ Grubenstadt ankam, soll er entsetzt gewesen sein. „Da bleibe ich keine 14 Tage“, so Winklers Reaktion. Geblieben ist er dann doch. Winkler starb im Jahr 1973.
Text von Alexandra Vecchiato