Bergbau in Hausham
Bergbau in Hausham
Bergbau in Hausham
Hausham: Kohle, Tiefe und Technik im oberbayerischen Voralpenraum
Der Haushamer Kohlebergbau nahm um 1860 seinen Anfang und gewann mit der Eröffnung der Bahnlinie Miesbach–Hausham–Schliersee im Jahr 1869 entscheidend an Bedeutung, da der Abtransport der Kohle dadurch massiv erleichtert wurde. 1871 wurde der erste Schacht abgeteuft, der bis 1877/78 eine Tiefe von 256 Metern erreichte. Zeitweise übernahm die Oberbayerische Aktiengesellschaft für Kohlenbergbau („Oberkohle AG“) die Betriebsführung. Bis zur letzten Förderfahrt am 31. März 1966 wurden insgesamt rund 25 Millionen Tonnen Pechkohle gewonnen, ein Kapitel, das den Ort über ein Jahrhundert prägte. Als weithin sichtbares Wahrzeichen dieser Zeit gilt das denkmalgeschützte Fördergerüst des Klenze-Schachts aus den Jahren 1934/35, entworfen von Fritz Schupp und Martin Kremmer.
Der Abbau erfolgte zunächst in klassisch-handwerklicher Weise, wurde jedoch ab den späten 1950er-Jahren zunehmend mechanisiert, etwa durch den Einsatz von Rammgeräten und Reißhakenhobeln. Zur Sicherung der Absatzwege entstanden eine Brikettfabrik und ein eigenes Kraftwerk direkt am Standort. Der Klenze-Schacht entwickelte sich zu einer technischen Referenzanlage: Das Deutsche Museum rekonstruiert eine Haushamer Fördersituation um 1925 und verweist damit auf die enorme Tiefe des Reviers, dessen unterster Abbaupunkt sich auf der 13. Sohle in rund 990 Metern befand. In den 1950er-Jahren war das Bergwerk ein bedeutender Arbeitgeber; allein 1953 zählte der Betrieb etwa 1 600 Beschäftigte.
Die geförderte Pechkohle – eine glanzreiche Braunkohle – stammte aus einer geologisch komplexen Lagerstätte im oberbayerischen Voralpenbecken zwischen Lech und Inn. Die unregelmäßigen Strukturen und teilweise geringen Mächtigkeiten der Flöze erschwerten die Gewinnung und trieben die Kosten, was den Abbau technisch anspruchsvoll und wirtschaftlich herausfordernd machte.
Über Jahrzehnte prägten Bergwerk, Nebenanlagen und bahngebundene Infrastruktur das Leben in Hausham. Die Kohleindustrie bestimmte Arbeitswelt, Siedlungsentwicklung und soziale Strukturen im Leitzach- und Schlierseegebiet nachhaltig, sodass der Ort eng mit seiner Bergbaugeschichte verwoben wurde.
Heute erinnert vor allem das Fördergerüst des Klenze-Schachts, als markantes Denkmal und ausgewiesenes Geotop an diese Ära. Es ist von außen zugänglich und gilt als eines der bedeutendsten Industriezeugnisse Oberbayerns. Ergänzend bewahrt das Bergbaumuseum Hausham im ehemaligen Rathaus zahlreiche Exponate, Dokumente und Modelle, die die Arbeitswelt unter Tage lebendig halten. Digitale Archive und Chroniken, etwa im „Bergwerk Hausham“, bieten zusätzliche Einblicke in die Entwicklung des Reviers.
Trotz vieler technischer Fortschritte blieb der Abbau stets durch geologische Schwierigkeiten, Wasserführung und die großen Tiefen belastet. Auch eigene Brikettierung und Verstromung konnten die steigenden Kosten nicht dauerhaft kompensieren. In den 1960er-Jahren war der Betrieb wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig, die Stilllegung von 1966 markierte daher das Ende einer langen, prägenden Bergbauphase.
Hausham steht heute exemplarisch für den süddeutschen Pechkohlenbergbau: tief, technisch ambitioniert, regional identitätsstiftend und geprägt von einem der markantesten Fördertürme Bayerns, der als Symbol eines bedeutsamen industriellen Erbes fortbesteht.