Bergbau in Peißenberg & Hohenpeißenberg

Peißenberg: Ein Bergwerk, das die Region formte

Als am 8. Mai 1837 der Hauptstollen auf dem Brandachfeld angeschlagen wurde, begann in Peißenberg eine neue Ära. Aus den frühen Abbauversuchen entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten eines der größten und modernsten Pechkohlenbergwerke des gesamten Alpenvorlandes. Mehr als 100 Kilometer unterirdische Strecken entstanden im Laufe der Zeit, und gemeinsam mit Hohenpeißenberg wurden in der Peißenberger Mulde rund 40 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Am 31. März 1971 endete diese jahrhundertprägende Epoche mit der Schließung des Bergwerks.

Der technische Aufwand war enorm: Der zwischen 1912 und 1915 abgeteufte Hauptschacht – später „Zieglmeierschacht“ genannt – bildete bis zuletzt das Herzstück der Förderung. Bereits 1907 nahm man eine moderne Kohlenwäsche am Tiefstollen in Betrieb, und eine 3,6 Kilometer lange Drahtseilbahn verband Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Betriebsstellen miteinander. Wo einst Maschinen dröhnten, befindet sich heute das Bergbaumuseum Peißenberg, das in 14 Räumen eine eindrucksvolle Reise in die Bergbauvergangenheit bietet.

Gefördert wurde Pechkohle, eine Glanzbraunkohle des Alpenvorlands. Die Peißenberger Mulde – rund 20 Kilometer lang und bis zu fünf Kilometer breit – beherbergte zahlreiche Flöze, die über Generationen hinweg zur wirtschaftlichen Grundlage der Region wurden. Der Bergbau ließ Peißenberg wachsen: neue Siedlungen, die Bahnlinie, Werkstätten, Stollen, Förderanlagen – all das veränderte das Gesicht des Ortes dauerhaft.

Viele Spuren dieser Zeit sind bis heute sichtbar. Neben dem Museum erinnert der Erlebnis-Tiefstollen eindrucksvoll an die Arbeitswelt unter Tage. Auch Stollenmundlöcher, Relikte der alten Seilbahn und einzelne historische Bauwerke sind erhalten geblieben und machen die Geschichte vor Ort erlebbar.

Dass der Bergbau schließlich endete, lag weniger am fehlenden Engagement als an den wirtschaftlichen Realitäten: Die Lagerstätten wurden tiefer, die Flöze schmaler und die Konkurrenz durch Heizöl immer stärker. Bereits 1969 fiel der Beschluss zur Stilllegung, zwei Jahre später war endgültig „Schicht im Schacht“.

Peißenberg bleibt dennoch ein besonderer Ort der bayerischen Bergbaugeschichte – ein Standort, an dem technischer Fortschritt, harte Arbeit und regionale Identität über mehr als ein Jahrhundert eng miteinander verflochten waren. Heute sorgt das Museum dafür, dass diese Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

Wetterschacht Hohenpeißenberg, ca. 1960

Hohenpeißenberg: Wo der Bergbau ein Dorf verwandelte

Als am 8. Mai 1837 der Hauptstollen auf dem Brandachfeld angeschlagen wurde, begann für Hohenpeißenberg ein Kapitel, das den Ort tiefgreifend verändern sollte. Der systematische staatliche Kohleabbau brachte nicht nur Arbeitsplätze, sondern gab der gesamten Gemeinde einen kräftigen Entwicklungsschub. Die Pechkohle – eine Glanzbraunkohle des Alpenvorlands – wurde über viele Jahrzehnte hinweg zum wichtigsten Rohstoff und prägte Wirtschaft, Infrastruktur und das soziale Gefüge gleichermaßen.

Bereits im 19. Jahrhundert entstanden mehrere Stollenanlagen, darunter der Hauptstollen, der Mittelstollen von 1868 und der Unterbaustollen aus dem Jahr 1847. Ab 1866 erhielt der Bergwerksbezirk einen Bahnanschluss, was den Ort enger an die Industrie der Region band. Die Bergbauanlagen wuchsen, untertägige Strecken entstanden, und die Verwaltung wurde später nach Peißenberg verlegt – zwei Orte, deren Geschichte im Bergbau eng miteinander verwoben ist.

Die Kohlevorkommen in der Peißenberger Mulde, in der insgesamt 26 Flöze erfasst wurden, machten Hohenpeißenberg zu einem bedeutenden Standort im süddeutschen Pechkohlenbergbau. Die Auswirkungen waren im Alltag deutlich zu spüren: Die Einwohnerzahl stieg rapide, neue Siedlungen für Bergleute entstanden, und die Infrastruktur entwickelte sich rasant weiter.

Auch wenn der Bergbau im Ort nicht immer separat vom großen Nachbarn Peißenberg betrachtet wird, steht fest: Die Gründe für das Ende waren dieselben. Die Flöze wurden schmaler, die Förderung teurer, alternative Energieträger günstiger. Anfang der 1970er Jahre wurde die Ära endgültig beendet.

Dennoch lebt der Bergbau im Ortsbild weiter. Stollenmundlöcher wie die des Mittel- und Unterbaustollens stehen heute unter Denkmalschutz. Wanderwege wie der „Stollenweg“ machen das geologische Erbe sichtbar, und die Gemeinde selbst beschreibt den jahrhundertelangen Bergbau als prägendes Markenzeichen ihrer Geschichte.

Hohenpeißenberg ist damit ein Beispiel dafür, wie ein kleiner Ort durch den Rohstoff unter seinen Füßen gewachsen ist – und wie diese Vergangenheit bis heute nachwirkt.

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