Bergwerk Marienstein

Marienstein: Ein Bergwerksdorf im Herzen des Oberlands

Marienstein zählt zu den traditionsreichsten Bergbauorten Oberbayerns. Mitte des 19. Jahrhunderts begannen hier die ersten Schürfungen nach Pechkohle, die ab den 1860er-Jahren in industriellem Maßstab gefördert wurde. Betreiber war die „Oberbayerische Aktiengesellschaft für Kohlenbergbau und Chemische Fabrikation“, und rund um das Bergwerk entstand eine lebendige Industriesiedlung, die das Gesicht des Ortes dauerhaft prägte. Bis zur Schließung im Jahr 1962 wurden etwa acht Millionen Tonnen Pechkohle gefördert – ein bedeutender Beitrag zur Energie- und Industriegeschichte der Region.

Technisch entwickelte sich der Standort schnell weiter: Mehrere Schächte und Stollen – darunter der Katharina-Schacht, der Rohnstollen und der Anton-Schacht – bildeten das Rückgrat des Betriebs. Anfangs mit hölzernen Fördergerüsten ausgestattet, wurde später mit Stahlkonstruktionen und Dampffördermaschinen gearbeitet. Über eine Werkbahn war Marienstein an die Tegernsee-Bahnlinie angebunden, wodurch die Kohle effizient abtransportiert werden konnte. Ein Teil des Geländes wurde nach der Bergbauzeit von der Zementindustrie genutzt; einige Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz.

Die hier gewonnene Pechkohle entstand vor rund 30 Millionen Jahren und gehörte zur Glanzbraunkohle des Alpenvorlands. Ihr Brennwert lag unter dem der Steinkohle, doch war sie für den Hausbrand wie auch für die Zementproduktion gut geeignet. Über ein Jahrhundert hinweg prägte der Bergbau den Alltag der Menschen: Marienstein entwickelte sich zu einer typischen Arbeiterkolonie mit Schule, Kirche, Konsumverein und enger sozialer Struktur – ein industriegeformtes Dorf im Voralpenland.

Nach der Stilllegung 1962 setzte ein langsamer Wandel ein. Aus der einstigen Industrieanlage wurde zunehmend ein Wohn- und Dienstleistungsstandort, doch die Vergangenheit ist bis heute sichtbar. Das Fördergerüst des Anton-Schachts, historische Betriebsgebäude und Arbeiterhäuser gehören zu den markanten Relikten, ebenso wie ein Gedenkstein am Ortseingang. In der Bayerischen Denkmalliste wird Marienstein als bedeutendes Industriedenkmal geführt.

Der Niedergang des Bergwerks folgte dem gleichen Muster wie vielerorts im Alpenvorland: zunehmende Teufen, schmalere Flöze und die wachsende Konkurrenz durch Heizöl und Erdgas machten den Abbau unrentabel. Dennoch bleibt Marienstein ein eindrucksvolles Beispiel für den oberbayerischen Bergbau des 19. und 20. Jahrhunderts – ein Ort, an dem sich die Verbindung von Rohstoffgewinnung, Industriegeschichte und sozialem Leben bis heute ablesen lässt.

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