Fastenzeit

Fasten – christlich, spirituell und weltlich

Fasten gehört zu den ältesten kulturellen Praktiken der Menschheit. Lange bevor es feste kirchliche Ordnungen gab, kannten Menschen Zeiten des bewussten Verzichts – als Vorbereitung auf Feste, als religiöse Übung oder als innere Reinigung. Aber auch aus der Not heraus: die meisten Vorräte des Herbstes sind den Winter über aufgebraucht und verzehrt worden und der noch zurückhaltende Frühling hat noch kaum oder keine neuen verzehrbaren Pflanzen und Früchte hervorgebracht. 

Im Christentum ist die vorösterliche Fastenzeit seit dem 4. Jahrhundert belegt und führt über vierzig Tage auf Ostern zu. Sie erinnert an die Wüstenerfahrung Jesu und versteht sich als Zeit der Einkehr, der Sammlung und der bewussten Hinwendung zu Gott. In Bayern – und besonders im ländlich geprägten Oberbayern – war diese Zeit traditionell nicht bloß eine private Entscheidung, sondern ein Rhythmus, der das Dorfleben, die Küche und den Jahreslauf mitprägte: Schlichtere Speisen, weniger Festlichkeit, dafür mehr Stille und Ordnung im Alltag.

Doch Fasten ist nicht nur ein religiöses Phänomen. Auch weltlich betrachtet hat der Verzicht eine besondere Kraft. Wer freiwillig auf Gewohntes verzichtet – auf üppiges Essen, Alkohol, digitale Medien oder liebgewonnene Routinen – unterbricht den Alltag. Fasten schafft Abstand. Es macht aufmerksam für das, was sonst selbstverständlich erscheint. Indem wir etwas weglassen, entsteht Raum: für neue Gedanken, für Dankbarkeit, für Klarheit. 

Gerade in einer Zeit ständiger Verfügbarkeit und Überfülle gewinnt diese alte Praxis neue Aktualität. Fasten bedeutet dann nicht Askese um ihrer selbst willen, sondern bewusste Reduktion. Es geht mehr um selbstkreierte Freiheit als um Strenge. Die Freiheit, Gewohnheiten zu hinterfragen und Prioritäten neu zu ordnen. 

Ob religiös motiviert oder als persönliches Experiment; Fasten ist immer auch ein Übergang. Es markiert eine Phase des Innehaltens zwischen dem „So war es bisher“ und einem möglichen „So möchte ich weitergehen“. Darin liegt seine zeitlose Bedeutung: Fasten ist eine Schule der Aufmerksamkeit – für Gott, für die Welt und für das eigene Leben. Allerdings zeigt sich heute auch eine neue Versuchung: Der Verzicht wird manchmal nicht mehr als Weg zu innerer Sammlung verstanden, sondern als Methode zur Optimierung – schneller, strenger, sichtbarer. Wo Fasten zum Leistungsnachweis wird, droht es seinen Sinn zu verlieren.

Die Fastenzeit ist untrennbar verbunden mit Fasching und Ostern und liegt als notwendige Konsequenz in der Mitte der beiden Feste. Fasching steht für das pralle Auskosten, das Lachen, die Masken und das Aus-der-Reihe-Tanzen; Ostern für Neubeginn, Hoffnung und das Durchbrechen des Dunkels. Dazwischen liegt die Zeit, in der das Leben langsamer werden darf. In diesem Dreiklang zeigt sich eine alte, kluge Ordnung: Nicht jeder Tag ist Festtag – und nicht jede Stille ist Verlust. Manchmal ist sie die Voraussetzung dafür, dass Freude wieder Tiefe bekommt.

 

In der Fastenzeit ist es neben dem Verzicht auf spezielle Lebensmittel oder Gewohnheiten auch möglich, etwas explizit zu tun. Das kann ein guter Vorsatz sein, der das Verhalten im Umgang mit Mitmenschen betrifft, oder auch Wohltätigkeiten im öffentlichen sozialen Umfeld. Auch gibt es so genannte Fastenspeisen, die ausdrücklich erlaubt sind in den 40 Tagen vor Ostern. Diese sind vor allem Fisch, Starkbier, Marzipan, Fastenbrezen und Mehlspeisen.

Die heutige Fastenbreze wird ähnlich der normalen Breze gebacken. Der Unterschied besteht darin, dass sie vor dem Backen nicht in Natronlauge, sondern in Wasser getaucht wird. Dadurch ist ihr Erscheinungsbild bleich und nicht so braun und resch wie ihre Verwandte.

Geschichte der Fastenbreze

Die Fastenbreze hat eine lange Geschichte. Erste Erwähnungen der so genannten Gebildebrote, zu denen die Breze zählt, gibt es bei den Römern (753 v. Chr. - 456 n. Chr.). Hier tritt sie jedoch noch in ihrer Urform dem Kreis auf. Später im 2. Jh. übernehmen die Christen dieses feine Gebäck aus Hartweizengries als eucharistisches Brot für ihre Abendmahlfeier. Vom 9. Jh. bis zum 11. Jh. entwickelt sich das runde Brot in mehreren Schritten zum geknoteten Gebildebrot. Belegbar ist dies auf einem Gemälde mit Abendmahlszene, welches für das älteste Kloster St. Peter in Salzburg gemalt wurde. Die bildliche Darstellung der Breze auf dem angerichteten Tisch ist aber keine singuläre Erscheinung. Auch in der Enzyklopädie „Hortus Deliciarum“ (Garten der Wonnen) aus dem Elsass Ende des 12. Jh. sind Brezen als Speise der Könige erwähnt. Im heidnischen Kulturraum lässts sich bei den Kelten (800 v. Chr. – 100 n. Chr.) und Wikingern ebenfalls ein Ursprung des Gebäcks erahnen. Die Form der Berkana Birken Rune, welche das Symbol für Fruchtbarkeit, Wachstum und Schutz ist, hat mit der heutigen Brezenform eine deutliche Ähnlichkeit. Diese Symbolik ist für die heutige Zeit, in Bezug auf die Fastenzeit, seht aktuell.

Eine Sage geht um einen Bäcker Frieder der 1477 in Ungnade beim Grafen geraten ist und hingerichtet werden sollte. Er kann sich nur dem entziehen, wenn er es schafft innerhalb dreier Tage ein Gebäck zu backen, durch das drei Mal die Sonne scheint. Inspiriert durch die verschränkten Arme seiner Frau entsann er die Breze. Die drei Löcher, durch die die Sonne scheinen kann, können als göttliche Dreifaltigkeit gedeutet werden, wodurch wieder der christliche Ursprung, sei es als Abendmahl, sei es als Belohnung für betende Kinder, verdeutlicht wird.

Die Symbolik des Knoten

Der Knoten ist ein altes magisches Symbol, das für das Binden und Lösen steht. Im Knüpfen des Knotens wird etwas manifestiert, das Wirklichkeit werden kann, im Lösen des Knotens kann die darin gebundene Kraft befreit werden.

Etymologische Herkunft

Aus dem Lateinischen leitet sich Breze von Bracchium – Arm ab, wobei die beim altertümlichen Beten vor dem Oberkörper überkreuzten Arme gemeint sind. Althochdeutsch: Brezitella, Precita oder Brezin; Mittelhochdeutsch schon: Brezel; was auf den heutigen Namen hindeutet.

Früher und Heute

Die Fastenzeit ist im kalendarischen Jahresverlauf aus früherer Sicht günstig und auch notwendig, da die im Herbst angehäuften Vorräte allmählich zur Neige gehen. Der Frühling ist meist zu dieser Zeit noch zurückhaltend und es sind noch wenige oder keine essbaren Pflanzen und Früchte gewachsen. Im christlichen Sinne ist es eine wichtige Zeit, um sich auf das heilige Osterfest vorzubereiten. Auch aus heutiger Sicht stellt es sich als sinnvoll heraus, eine definierte Zeit zu haben, um Selbstreflektion und Verzicht zu üben.

Text von Julia Bezucha

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