Langlauf und Biathlon: Ein Breitensport mit Geschichte Zeitleiste Langlauf / Biathlon Der erste Skifahrer Mythologie
Langlauf und Biathlon
Langlauf und Biathlon: Ein Breitensport mit Geschichte Zeitleiste Langlauf / Biathlon Der erste Skifahrer Mythologie
Die Kanadaloipe bei Wallgau, die Rundloipe Winklmoos-Alm, Jachental-, Isarwinkel-, Kochelberg-, Barmsee-, Lautersee- oder Buckelwiesen-Loipen, Kaltenbrunn, Linderhof oder die Tutzinger Loipe: Bayern bietet eine beeindruckende Vielfalt an Langlaufmöglichkeiten. Insgesamt stehen heute rund 2.500 bis 3.000 Kilometer präparierte Loipen zur Verfügung. Auch wenn der Sport nicht mehr den Massenboom der 1980er-Jahre erlebt, ist Langlauf wieder gefragt. Die Loipen sind gut ausgelastet, Skivereine melden seit 2020 steigende Mitgliederzahlen.
Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Ihre Wurzeln liegen in einer Zeit, in der der Skilanglauf begann, über den lokalen Rahmen hinaus wahrgenommen zu werden. Ein wichtiger Meilenstein war das Jahr 1968, als in Oberammergau der erste König-Ludwig-Lauf mit 796 Teilnehmern stattfand. Er entwickelte sich zum größten deutschen Volksskilanglauf und prägte den Breitensport im Oberland nachhaltig. In den 1970er-Jahren trugen zudem die ersten regelmäßigen Fernsehübertragungen von Olympischen Winterspielen und Weltmeisterschaften dazu bei, den Skilanglauf einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen. Die langen und dramatischen Rennen machten den Sport populär – im Fernsehen wie im Alltag.
Der Skilanglauf hatte sich damit etabliert: als Leistungssport, als Freizeitsport und als fester Bestandteil der winterlichen Bewegungskultur in Bayern.
Ohne Langlauf kein Biathlon
Ohne Langlauf kein Biathlon. Biathlon ist ein Wintersport, der zwei sehr unterschiedliche Disziplinen kombiniert: Auszehrendes Langlaufen auf Skiern und konzentriertes, ruhiges Präzisionsschießen mit dem Gewehr. Ausdauer trifft auf Zielgenauigkeit – und genau das macht den Sport so spannend.
Und natürlich die Tatsache, dass das Bayerische Oberland für den Biathlon kein Nebenschauplatz ist, sondern eines der tragenden Zentren des Sports. Kurz gesagt: Ohne das Oberland sähe der deutsche Biathlon anders aus.
Mit dem Bayerischen Oberland verbinden wir untrennbar auch die Namen Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier. Beide stehen für außergewöhnliche Karrieren im internationalen Biathlon. Magdalena Neuner beendete ihre Laufbahn bereits mit 25 Jahren als eine der erfolgreichsten Biathletinnen aller Zeiten, mit zwölf Weltmeistertiteln und zwei Olympiasiegen. Laura Dahlmeier, mehrfache Weltmeisterin, prägte den internationalen Biathlon insbesondere bei der Weltmeisterschaft 2017, bei der sie fünf Goldmedaillen in Einzeldisziplinen gewann – ein bis heute unerreichter Rekord.
Doch Wintersport ist nicht nur Bewegung, Gesundheit und Gemeinschaft. Je leistungsorientierter er wird, desto näher rückt auch seine andere Seite: Risiko, Grenzerfahrung und Verantwortung.
Der Tod von Laura Dahlmeier im vergangenen Jahr bei einem Bergunfall hat weit über die Sportwelt hinaus betroffen gemacht. Er macht deutlich, dass gerade im alpinen Raum Nähe zur Natur immer auch Respekt vor ihren Risiken bedeutet – eine Realität, die den Wintersport seit seinen Anfängen begleitet.
Lange bevor Wintersport zur organisierten Disziplin wurde, war die Fortbewegung auf Schnee eine alltägliche Notwendigkeit. In winterlichen Landschaften ging es nicht um Leistung oder Vergleich, sondern darum, Wege zu bewältigen, Nahrung zu sichern und miteinander verbunden zu bleiben. Die langen Holzbretter, mit denen man über den Schnee gleiten konnte, erleichterten die Jagd, das Zurücklegen großer Distanzen und später auch Boten- und Kurierdienste. Erst deutlich später entwickelten sich daraus Formen des Wettstreits – zunächst im militärischen Umfeld, etwa bei Gebirgstruppen, und schließlich als sportliche Disziplinen wie Langlauf und Biathlon.
Text von Silvia Richter
Bilder
Das Steinzeit-Tool der nördlichen Völker
„Wir kennen keinen Erfinder der Ski. Das Gerät gehörte wie Pfeil und Bogen, wie Bumerang, wie Lanze, Keule oder Rad zu den Gegenständen, die kein einzelner ersinnen konnte, die nur eine Gesamtheit von Menschen nach und nach, erfahrungsgemäß, zustande brachte“ schrieb Luis Trenker, der legendäre Bergsteiger, 1937 in seinem Buch „Berge im Schnee“.
Vom überlebensnotwendigen Fortbewegungsmittel zur hochprofessionellen olympischen Sportart mit jahrtausendealter Tradition: Hinter Langlauf und Biathlon verbirgt sich mehr, als oberflächlich zu erkennen ist. Basierend auf historischen Quellen und Meilensteinen, hier ein kleiner Überblick.
Geschichte des Skilanglaufs
Älteste bekannte Holzskier-Funde in Skandinavien, Finnland und Sibirien – Ski als reines Überlebens- und Fortbewegungsmittel für Jagd und Transport.
Erste schriftliche Erwähnung: Der byzantinische Historiker Procopius beschreibt die Sami (Lappen) als „Ski-laufende“.
Die isländische Egil-Saga erwähnt Skifahren in Norwegen.
Norwegisches Gulating-Gesetz regelt Skifahren zum Schutz vor Störungen durch Skifahrer bei der Elchjagd, erste gesetzliche Regelung.
Erster dokumentierter Ski-Wettkampf in Norwegen und Schweden, militärisch mit Schießen.
Gründung des ersten Skiclubs weltweit: Trysil Rifle and Ski Club in Norwegen – Förderung von Langlauf und Schießen.
August Finsterlin bringt finnische Langlaufski nach Bayern (Schliersee) – Begründer des organisierten Langlaufs in Oberbayern; erste heimliche Tests in Fischhausen-Neuhaus.
Fridtjof Nansen durchquert Grönland auf Skiern (ca. 500 km). Sein Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ wird zum Bestseller und weckt in ganz Europa Interesse am Langlauf.
Gründung des Ski-Club München, er gilt als der erste Skiclub Deutschlands überhaupt.
Erstes großes internationales Skirennen am Holmenkollen in Oslo gilt als Wiege des modernen Wettkampf-Langlaufs.
Erste Deutsche Skimeisterschaft am Feldberg im Schwarzwald – über 25 km Langlauf, Sieger: Norweger Bjarne Nilssen.
Erfindung des modernen Skiwachses durch Peter Østbye aus Norwegen.
Skirennen im schweizerischen Glarus, ein Langstrecken-Skiwettbewerb mit starkem Tourencharakter, entspricht dem frühen Langlauf bzw. nordischen Skilauf.
Erster offizieller Skilauf auf dem Rennsteig in Thüringen.
Erste Olympische Winterspiele in Chamonix: Langlauf erstmals olympisch (Männer 18 km & 50 km).
Erste Deutsch-Österreichische Skimeisterschaften in Kitzbühel – kombinierte Veranstaltung (Langlauf, Skispringen, Nordische Kombination), symbolische sportliche Annäherung Deutschland–Österreich nach dem Ersten Weltkrieg; oft als „großdeutsche Meisterschaften“ bezeichnet.
Erstes Birkebeinerrennet in Norwegen – ein traditioneller Langlauf-Volkslauf, bis heute mit Rucksack-Pflicht (mind. 5 kg), erinnert an die Rettung des Königssohns Haakon 1206.
Frauen-Langlauf erstmals olympisch in Oslo.
Skating-Technik, Freistil, wird offiziell eingeführt und boomt.
Erste FIS-Weltcup-Saison mit getrennten Wertungen Classic & Freistil.
Erste Weltmeisterschaften mit separaten Classic- und Freistil-Wettbewerben.
Start der Tour de Ski – erste Etappenrennen-Serie im Langlauf.
Massen-Events wie Wasalauf/Vasaloppet (Schweden, seit 1922), König Ludwig Lauf in Oberammergau (seit 1968).
Geschichte des Biathlons
Erster dokumentierter Biathlon-ähnlicher Wettkampf: Grenzpatrouillen Norwegen–Schweden messen sich in Ski und Schießen.
Gründung des ersten Ski- bzw. Biathlon-Clubs: Trysil Rifle and Ski Club in Norwegen – Förderung von Schießen und Skifahren als Zivil- und Militärsport. (s.Langlauf)
Erste Olympische Winterspiele in Chamonix, Frankreich: „Military Patrol“ als Demonstrationswettbewerb – 30 km Ski + Schießen mit 4-Mann-Teams.
Die Military Patrol, ein militärischer Skimannschaftswettbewerb aus Langlauf und Schießen und Vorläufer des heutigen Biathlons, wird bei den Olympischen Spielen in St. Moritz und Garmisch-Partenkirchen als Demonstrationssportart ausgetragen; besonders Norwegen und Finnland dominieren.
Gründung der Union Internationale de Pentathlon Moderne et Biathlon (UIPMB) – Standardisierung der Regeln, Trennung vom reinen Militärsport.
Biathlon wird als offizielle olympische Sportart anerkannt nach Modernisierung und Entmilitarisierung.
Erste Biathlon-Weltmeisterschaft im österreichischen Saalfelden – nur Männer, 20 km Einzel und inoffizielle Staffel.
Erstes offizielles Biathlon bei Olympischen Winterspielen in Squaw Valley (USA) – Männer 20 km Einzel.
Staffel wird offiziell bei WM – erste Medaillen in der Disziplin.
Schießdistanz auf 50 m reduziert (vorher 150–250 m) – Einführung mechanischer Zielanlagen.
Erste internationale Frauen-Wettkämpfe.
Erste Frauen-Weltmeisterschaften.
Frauen-Biathlon erstmals olympisch in Albertville.
Gemeinsame WM für Männer und Frauen.
Boom durch Frank Ullrich (als Trainer) und Ricco Groß; erste große TV-Erfolge, Biathlon etabliert sich im deutschen Fernsehen.
Neuer Popularitätsschub durch Magdalena Neuner (v. a. ab 2007) und später Laura Dahlmeier (v. a. 2015–2018).
Einführung der Verfolgung, Pursuit, als olympische Disziplin.
Mixed Relay erstmals olympisch in Sochi.
Single Mixed Relay in den Weltcup aufgenommen.
Text von Silvia Richter
Wer war denn nun der erste hier in der Region, dem die Ehre des Titels „erster Skifahrer“ gebührt? Der erste, der bei meiner Recherche aufgetaucht ist, war August Finsterlin, ein Münchner Buchhändler, der sich bereits 1888 Holzskier aus Finnland besorgte und der seine neuentdeckte Langlauf-Leidenschaft und auch die davon gepackten Münchner an den Schliersee brachte, was der Beginn des dortigen Wintersporttourismus sein sollte (s. Artikel „Ein Münchner, finnische Holzbretter und der Schliersee “). Bei der weiteren Recherche bin ich noch auf andere Namen gestoßen, Georg Riedl zum Beispiel. Er soll ein Postbote aus Murnau gewesen sein, der sich als solcher als erster mit den Holzbrettern an den Füßen - nach norwegischem Vorbild - die Verteilung der Post erleichtert haben soll. Das war aber auch schon alles, was über ihn herauszufinden war. Selbst die Tiefen des Murnauer Stadtarchivs gaben dazu nichts her. Dafür tauchte dort aber Maximilian Lizius auf, ein Forstmeister aus der Jachenau, der bereits 1885 norwegische Ski benutzt, wegen der steilen Holzabfuhrwege aber bald wieder aufgegeben haben soll, so schreibt es Harro Honolka im Jahresheft des Ohlstädter Heimatvereins 2015/2016 „Unterm Heimgarten“. Weiter berichtet er über den Murnauer Bankier Josef Kapfer, der sich 1886 norwegische Skier kommen habe lasse, was er mit ihnen angestellt habe, sei leider nicht überliefert, er verschenkte sie wohl bald wieder. Außerdem schreibt Honolka über „junge Kavaliere“, die 1890 auf Schloss Hohenburg bei Lenggries Skier „vermutlich gaudihalber“ ausprobiert haben sollen. Sollen - das weiß man also auch nicht so genau. Was man aber aufgrund von Aufzeichnungen weiß ist, dass ein Herr namens Karl Otto, ein Ohlstädter, zuvor ein Benediktbeurer, also einer aus dem bayerischen Oberland, wenn auch nicht gebürtig, zu den hiesigen Skipionieren gehörte.
Karl Otto
1861 in Freimann bei München geboren und in einfachen Verhältnissen aufgewachsen brachte ihn seine berufliche Laufbahn als Verwaltungsassistent im königlichen Remonte-Depot, eine militärisch organisierte Einrichtung, die junge Pferde, sogenannte Remonten, für die Truppen ausbildete, zuerst nach Benediktbeuern, später als Rechnungsrat, ebenfalls in dieser Einrichtung, nach Schwaiganger bei Ohlstadt.
Wie er zum Skifahren kam, beschrieb er rückblickend im Jahre 1930: „1884 beim kgl. Remontdepot dienstlich in Stellung, sah ich in der Gartenlaube (Anm. der Redaktion: Zeitschrift) das Bild eines schneeschuhlaufenden Norwegers, sofort stieg als gewandtem Turner und Bergsteiger der Gedanke in mir auf, das wäre was für mich“.
Anders als z.B. August Finsterlin importierte Otto seine Skier nicht aus Skandinavien. Er ließ sich beim Benediktbeurer Wagnermeister Hallensteiner aus Lindenholz Skier nachbauen, so ist es nachzulesen und, dass er „dabei so findig war“, die Ski auf zwei Meter Länge zu kürzen und den Schuh mit Lederriemen fest an den Ski zu binden. Das norwegische Modell war drei Meter und teils noch länger und hatte so genannte Meerrohr-Bügelbindungen, die den Fuß nicht fixierten. Mit seinem Ski-Eigenbau erprobte Otto im Winter 1884/85 in der Benediktbeurer Umgebung „an den Hängen der Wurz, auf dem Straßberg, auf der Kohlstattalm und von dort herunter nach Ried, Kochel und die alte Kesselbergstraß ´nauf und ´nunter“ ... Von vielen wurde ich dabei ausgelacht”, beschrieb Otto.
Im Winter 1889/90 gelang ihm die Skibefahrung des 1790 m hohen Heimgartens „… womit er zu den frühesten belegten Skibergsteigern im Alpenraum zählt; ein absoluter Erstanspruch lässt sich jedoch nicht beweisen. Zwar soll er sich auf dem Gipfel auf Skiern stehend in das am Kreuz oben verwahrte Gipfelbuch eingetragen haben, das allerdings ist vermutlich 1908 mit dem Gipfelkreuz durch Blitzschlag zerstört worden.
Das Skifahren gab Karl Otto 1940, im Alter von 76. Lebensjahren auf: „Jetzt mag ich nicht mehr; es ist mir überall zu überfüllt. Können tät ich´s noch genus so gut wie früher“. Er starb 1946 in Garmisch-Partenkirchen, begraben ist er in Farchant.
Karl Otto war keiner, der über seine Pioniertaten sprach. Erst 1930 meldete er sich selbst in den Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins zu Wort, nachdem er im damaligen Artikel über Skipioniere nicht erwähnt worden war.
Er zählte seine skifahrerischen Aktivitäten ab 1884 einschließlich seiner Heimgartenbesteigung auf und schloss: „...ich nehme an, dass ich der erste Brettlfahrer Bayerns gewesen bin. Hat einer früher angefangen, soll er sich melden“.
Dieser Aufforderung schließe ich mich an: Wer jemanden weiß, der schon vorher angefangen hat, soll er sich bitte melden!
100 Jahre Skibergsteigen
Die Festschrift der DAV-Sektion Murnau aus dem Jahr 1990 nimmt dich mit auf eine spannende Reise durch ein Jahrhundert Skibergeschichte. Historische Fotos, persönliche Berichte und viele Anekdoten machen die Entwicklung des Skibergsteigens lebendig.
August Finsterlin
Ein Münchner, finnische Holzbretter und der Schliersee
Um 1900 beginnt für die Münchner eine neue Leidenschaft. Mit dem Zug geht es an den Schliersee – in die Wiege des deutschen Skisports. Im Mittelpunkt: der Buchhändler und Pionier August Finsterlin, der nicht nur Ski aus Finnland ins Oberland brachte, sondern auch Wintersport, Tourismus und Begeisterung. Eine Reise zurück zu den Anfängen des Skifahrens – abenteuerlich, gesellig und voller Aufbruchsstimmung.
Text von Silvia Richter
Der Skifahrer aus der Steinzeit – Mythos, Symbol und frühe Bildwelt des Nordens
Skifahren gilt heute als moderner Freizeit- und Leistungssport, doch seine Wurzeln reichen weit zurück – bis in die Vor- und Frühgeschichte Nordeuropas. Archäologische Funde und Felsbilder aus Skandinavien zeigen, dass Menschen bereits vor mehreren Jahrtausenden auf Skiern unterwegs waren. Besonders eindrucksvoll sind prähistorische Felsritzungen, die menschliche Figuren auf langen, schmalen Brettern darstellen – vermutlich frühe Ski.
Petroglyphen
Bei den dokumentierten Motiven handelte es sich um sogenannte Petroglyphen – also prähistorische Felsritzungen, die durch Einritzen oder Einschlagen von Linien und Formen in den Stein entstanden. Solche Darstellungen zählen zu den ältesten Bildzeugnissen der Menschheitsgeschichte und dienten vermutlich nicht nur der Darstellung des Alltags, sondern auch der Vermittlung von Bedeutung, Orientierung und Weltbild.
Es ist schon verraten, das wir im April einen ganzen Artikel über die Petroglyphen und Felsbilder von Unter- und Oberammergau bringen. Super spannend, kaum bekannt! Lasst Euch überraschen.
Eine der bekanntesten Darstellungen stammt aus Nordnorwegen und wird auf etwa 4.000 bis 5.000 Jahre datiert. Sie zeigt eine menschliche Figur auf Skiern, oft mit einem Stock oder einer Art Stab. Solche Darstellungen sind nicht nur Zeugnisse früher Fortbewegungstechniken, sondern auch Ausdruck einer symbolischen Bildwelt. Denn Felsritzungen hatten in der Steinzeit selten rein dekorativen Charakter. Sie standen in engem Zusammenhang mit Glaubensvorstellungen, Naturbeobachtung und rituellen Praktiken.
In der Mythologie und im spirituellen Denken früher Kulturen spielten Jagd, Bewegung und das Überleben im winterlichen Lebensraum eine zentrale Rolle. Ski ermöglichten es, große Distanzen im Schnee zu überwinden, Wild zu verfolgen und Verbindungen zwischen Siedlungen aufrechtzuerhalten. Der Mensch auf Skiern wurde so zum Sinnbild für Anpassungsfähigkeit, Geschick und das Zusammenspiel mit der Natur – Eigenschaften, die in vielen nordischen Mythen und Erzähltraditionen wiederkehren.
Auch aus späteren schriftlichen Quellen wissen wir, dass Skilaufen im Norden eine besondere kulturelle Bedeutung hatte. In der nordischen Mythologie wird etwa der Gott Ullr als ausgezeichneter Skiläufer und Jäger beschrieben. Zwar liegen zwischen den steinzeitlichen Felsbildern und den überlieferten Mythen viele Jahrhunderte, doch die Verbindung zwischen Bewegung im Schnee, Jagd und göttlicher oder heroischer Kraft zieht sich wie ein roter Faden durch die Kulturgeschichte des Nordens.
Die prähistorischen Skidarstellungen sind daher mehr als frühe Sportabbildungen. Sie zeigen, wie eng Technik, Alltag und Mythologie miteinander verwoben waren. Der Skifahrer war nicht nur Mensch, sondern auch Träger von Bedeutung – ein Symbol für das Überleben in einer rauen Umwelt und für das Wissen, sich diese Umwelt zunutze zu machen.
Zwischen Forschung und Ideologie
Auch die Forschungsgeschichte dieser prähistorischen Darstellungen ist Teil ihrer heutigen Bedeutung. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden nordische Felsbilder verstärkt dokumentiert, vermessen und abgezeichnet. Dabei spielten auch ideologisch geprägte Forschungsinteressen eine Rolle. Nationalsozialistische Wissenschaftler suchten im Norden Europas nach vermeintlichen Belegen für eine „ursprüngliche germanische Kultur“ und bezogen archäologische Funde in ihre Deutungen ein. Unabhängig von diesen ideologischen Fehlinterpretationen führten die damaligen Dokumentationen dazu, dass einige Felsbilder detailliert festgehalten wurden. Diese Aufzeichnungen sind heute – frei von ihrem ursprünglichen ideologischen Kontext – wichtige Quellen für die archäologische Forschung, insbesondere dort, wo Originale beschädigt oder verloren gegangen sind.
Wer noch tiefer eintauchen möchte
Wie Skifahren nicht nur praktisches Fortbewegungsmittel, sondern Teil einer reichen nordischen Götter- und Mythenwelt wurde – von Ullr bis zu frühen Kultsymbolen – beleuchtet der anschließende Artikel „Mythologische Ursprünge des Skifahrens“.