Schacky Park Diessen

Der Schacky-Park in Dießen ist weit mehr als nur ein Park. Gemeinsam tauchen wir ein in die Geschichte dieser besonderen Gartenlandschaft am Ammersee: von den italienisch inspirierten Wegen mit Brunnen, Statuen und dem Monopteros über Streuobstwiesen und alte Baumriesen bis hin zum versteckten Teehaus am wildromantischen Flechtgraben. Christine Reichert nimmt uns mit auf eine Führung durch den Schacky-Park, erzählt von seiner Entstehung und seiner kulturellen Bedeutung und zeigt, mit wie viel Engagement sich Menschen bis heute für den Erhalt dieses einzigartigen Ortes einsetzen.

DER SCHACKY-PARK IN DIESSEN AM AMMERSEE

Am südlichen Ortsrand von Dießen am Ammersee liegt, gut in die Landschaft eingefügt, ein kleiner Landschaftspark aus der Zeit um1900. Die repräsentative Einfriedung an der Weilheimer Straße gibt den Blick frei auf die mit gewaltigen Parkbäumen bestandenen Wiesen mit einem Monopteros. Zum Park gehören weiterhin ein Badeteich mit Badehaus und Kaskaden, ein Teehaus am Südrand des Parks, eine kleine Grotte mit Ententeich, ein repräsentatives Wegekreuz mit Treppenanlagen, elektrischer Beleuchtung und reicher Ausstattung mit Brunnen, Statuen, Vasen und steinernen Einfassungen. Die „Villa Diana“, ein kleines Wohngebäude an der Nordostecke des Parks bestand bereits, als der Park angelegt wurde.

Die Geschichte des Parks zeigt die für die Gründerzeit in München typische Erscheinung, dass die gehobene Münchner Bevölkerungsschicht in Richtung Süden an den Starnberger See – dort entstanden ganze Villenkolonien mit großen Gärten und Parkanlagen- und weiter in das Alpenvorland zog. Der Schacky-Park ist eine der wenigen Anlagen aus dieser Zeit am Ammersee-Westufer.

1903 erwarb Ludwig Freiherr von Schacky auf Schönfeldt, königlicher Kämmerer und Oberstleutnant a.D. in München mit seiner Frau Julie die Villa Diana vom ehemaligen Bürgermeister Michael Weigl, einschließlich der im Süden und Westen angrenzenden Wiesengrundstücke. Auf diesen insgesamt 18 ha ließen sie einen Landschaftspark anlegen. Eine neue Villa war geplant, konnte aber nicht mehr verwirklicht werden. Für seine verstorbene Frau ließ Graf Schacky auf dem Friedhof St.Johann in Dießen ein Mausoleum bauen. Er selbst starb 1913. Vermutlich nutzte die von Schacky`sche Familie den Besitz noch bis 1921. Danach besaß der sog. Bauerndoktor Dr. Georg Heim das Anwesen bis 1936. Seitdem ist es im Besitz der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul.

Die Bezüge des Grafen Schacky zur Ortsgeschichte Dießens haben die Ammersee-Heimatforscher recherchiert und am Tag des offenen Denkmals 2003 vorgestellt. Die Herkunft der teilweise in dem damals sehr modernen und geschätzten Baustoff Beton hergestellten Ausstattungselemente kann bis in die örtlichen Handwerksbetriebe zurückverfolgt werden.

Der Park fand lange Zeit nur geringe Beachtung und blieb in seiner Bedeutung unerkannt. Möglicherweise hat ihn die landwirtschaftliche Nutzung vor einer Bebauung bewahrt.

Der jetzige Zustand ist desolat. Die Natur holt sich die Fläche zurück. Die Parkarchitekturen sind zum Teil einsturzgefährdet, die befestigten Wege stark überwuchert, die Dekorationselemente wie Vasen, Statuen und Leuchten sind verschwunden. In den Brunnen und auf dem skelettierten Dach des Teehauses wachsen Weiden und Fichten. Der weite Blick nach Süden und Osten ist von einem dichten Fichtenbestand verstellt.

Seit 1992 sind Villa und Park in die Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege aufgenommen und so als Denkmal ausgewiesen.

Die Eigentümerin, die Kongregation der barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul, hat die ca 18 ha große Fläche Jahrzehnte lang landwirtschaftlich genutzt. Als die Nutzung vor wenigen Jahren aufgegeben wurde, war die Zeit reif für ein Engagement der Bürger, die schon lange sehnsüchtig in den verwilderten Park geblickt hatten.

Viele Dießener waren als Kinder heimlich in dem verbotenen Park gewesen.

Es war zugleich die Zeit der schwierigen Finanzsituation der Gemeinden. Auch die Marktgemeinde Dießen am Ammersee mochte sich, obgleich im Städtebauförderungsprogramm seit Jahren aufgenommen und aktiv, nicht für einen Erwerb und die denkmalgerechte Wiederherstellung des Schacky-Parks entscheiden. Aber sie verhandelte mit der Kongregation über eine Anpachtung des Parks, die den Bürgern Gelegenheit geben sollte, ihr Engagement für den Park unter Beweis zu stellen. Währenddessen hatte sich ein Gründungsgremium für einen Förderverein gebildet, dessen Anwalt die schwierigen Verhandlungen über 2 Jahre lang begleitete.

Es wurde folgende Lösung gefunden:

Die Marktgemeinde Dießen am Ammersee hat die südliche Hälfte des Parks, in der die meisten denkmalwerten Strukturen gefunden wurden, für 30 Jahre gepachtet. Die nördliche Hälfte des Parks mit großen, überwiegend baumlosen Wiesenflächen, hat der Reit- und Fahrverein Dießen gepachtet. Zusätzlich hat der Reit- und Fahrverein auch die neuzeitlichen Wirtschaftsgebäude der ehemaligen Landwirtschaft erworben.

Im Dezember 2005 wurde der Förderkreis Schacky-Park gegründet. Eine Gruppe von den verschiedensten Fachleuten hat sich zusammen getan, um den historischen Park denkmalgerecht wiederherzustellen und zu pflegen. Die Parkarchitekturen, Wege, Teich und Brunnen mit Figuren, Balustraden und elektrisch beleuchteten Lampen sollen nach und nach vom Bewuchs befreit, dann saniert oder rekonstruiert werden. Der alte Baumbestand, die Raumfolgen und Sichten im Park sind ebenso Bestandteil der denkmalpflegerischen Zielstellung, wie eine mögliche Nachempfindung von verloren gegangenen Elementen. Historische Pläne wurden bisher nicht gefunden.

Ein weiteres Ziel ist es, den Park zu öffnen und eine denkmalverträgliche Nutzung für den Park zu finden. Die besondere Dießener Kulturszene bietet viele Möglichkeiten. Mit vom Verein konzipierten und ausgewählten Veranstaltungen sollen nicht nur finanzielle Mittel für die Wiederherstellung des Parks eingeworben, sondern es soll auch der Park für alle Interessierten erlebbar gemacht werden.

Viele der notwendigen Arbeiten können von den vielfältig qualifizierten Vereinsmitgliedern erbracht werden, die unter anderem als Archäologe, Geologe, Innenarchitekt und Designer, Gartenbauingenieur und Baumsachverständiger und als Landschaftsarchitektin arbeiten. Aber auch besonders die praktischen Arbeitseinsätze von Dießenern und Vereinsmitgliedern haben schon sichtbare Erfolge bei der Parkpflege gebracht.

Um über den verwunschenen Park zu informieren, macht der Vereinsvorstand regelmäßig Führungen, gibt einen Flyer mit den wichtigsten Angaben und Abbildungen heraus und führt sehr aktuell die Internetseite: www.schackypark.de

Mit Veranstaltungen wie Osterfeuer und kirchlicher Andacht wurde begonnen, Musik und Lesungen und viele andere sollen folgen.

1. März 2007 Almuth Boedecker

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