Die schönsten Parks im Oberland

Oberbayerische Parks entdecken

Oberbayern ist reich an Landschaften, die seit Jahrhunderten Menschen anziehen: Seen, Moore, Voralpen, Flusstäler und Gebirgsräume prägen das Bild dieser Region. Weniger offensichtlich, aber nicht minder reizvoll, sind die Parks und Gärten, die sich in diese Landschaft einfügen. Sie erzählen von Adel und Bürgertum, von königlicher Baukunst, künstlerischer Inspiration, klösterlicher Gartenpflege und der Sehnsucht nach Rückzug in der Natur. Wer oberbayerische Parks besucht, begegnet deshalb nicht nur schönen Wegen, alten Bäumen und gepflegten Anlagen, sondern auch einem Stück bayerischer Kulturgeschichte. 

Der Schacky-Park in Dießen zeigt, wie um 1900 aus privater Gartenleidenschaft ein landschaftliches Kleinod am Ammersee entstand. Der Buchheim-Park verbindet Kunst, Seeufer und Museumsarchitektur zu einem Ort, an dem der Spaziergang bereits Teil des kulturellen Erlebnisses ist. In Murnau erinnern Seidl-Park und Molo-Park an Persönlichkeiten, die im Blauen Land Inspiration, Gastfreundschaft und Rückzug fanden. Linderhof wiederum führt in die Welt König Ludwigs II., in der Architektur, Wasser, Gartenkunst und Gebirgslandschaft zu einer einzigartigen Inszenierung verschmelzen. Der Rosenpark in Bad Tölz schließlich verweist auf die Verbindung von Klostergeschichte, Kurtradition und lokaler Blumenkultur.

Der Blick auf diese Parks lohnt sich besonders, weil sie Oberbayern aus einer ruhigeren Perspektive zeigen. Sie sind keine bloßen Ausflugsziele für schönes Wetter, sondern lebendige Geschichtsräume. In ihnen lässt sich nachvollziehen, wie Menschen verschiedener Zeiten ihre Umgebung gestalteten, welche Ideale sie mit Natur verbanden und welche Spuren davon bis heute erhalten geblieben sind. Ein Spaziergang durch diese Anlagen kann daher ebenso erholsam wie aufschlussreich sein. 

"Lebendige Geschichtsräume" und auch die Beiträge in der Mediathek stellen die einzelnen Parks näher vor. Sie skizzieren die Entstehung und Entwicklung der Parks, erklären ihre kulturgeschichtliche Bedeutung und zeigen, warum sich ein Besuch lohnt. Wer Oberbayern nicht nur über berühmte Städte, Kirchen und Schlösser kennenlernen möchte, findet in diesen Parks stille, eindrucksvolle und oft überraschende Zugänge zur Geschichte der Region. 

Text von Rick Albrecht

Oberbayerische Parks

Oberbayerische Parks sind mehr als gepflegte Grünflächen. Sie erzählen von adeliger Sommerfrische, bürgerlicher Gartenkunst, klösterlicher Pflege, künstlerischem Sammeln und königlicher Weltflucht. Zwischen Dießen am Ammersee, Bernried am Starnberger See, Murnau am Staffelsee, Ettal und Bad Tölz liegen Parkanlagen, die auf unterschiedliche Weise zeigen, wie eng Natur, Kultur und Geschichte in Bayern miteinander verbunden sind. Manche dieser Orte wurden als private Rückzugsräume geschaffen, andere als repräsentative Gartenkunstwerke oder als stille Orte der Erholung. Heute sind sie öffentlich zugänglich oder in touristische und kulturelle Landschaften eingebunden – und gerade deshalb ideale Ziele für alle, die Oberbayern nicht nur sehen, sondern verstehen möchten. 

Schacky-Park Dießen

Ein verwunschener Landschaftsgarten am Ammersee

Der Schacky-Park am südlichen Ortsrand von Dießen gehört zu jenen Anlagen, die den Charakter eines privaten Gartenreiches bis heute bewahrt haben. Ludwig Freiherr von Schacky auf Schönfeld und seine Frau Julia entdeckten 1903 die damals unbebauten Wiesen südlich des Marktes Dießen; zwischen 1905 und 1913 entstand daraus ein weitläufiges, topografisch klug angelegtes Gartenparadies mit Blicken über den Ammersee und in das Alpenvorland. Die Ammersee-Region beschreibt den Park als rund 18 Hektar große historische Anlage aus der Zeit um 1900, ausgestattet mit Monopteros, Brunnen, Teichen, Teehaus und Marmorstatuen. 

In seiner Gestaltung folgt der Schacky-Park dem Ideal des englischen Landschaftsgartens: verschlungene Wege, alte Gehölzgruppen, lichte Wiesenräume und bewusst gesetzte Blickpunkte lösen einander ab. Zugleich zeigen Teehaus, Monopteros und Skulpturen den repräsentativen Anspruch seiner Entstehungszeit. Nach wechselvoller Nutzungsgeschichte – darunter unterschiedliche Eigentümer und veränderte Nutzungen – wurde die Anlage schrittweise wieder als Denkmal- und Erholungsort wahrgenommen. Seit 1992 ist der Park in die Denkmalliste aufgenommen; ein Förderkreis engagiert sich seit 2005 für Pflege und Wiederherstellung verlorener Strukturen. 

Ein Besuch lohnt sich besonders für Menschen, die Gartenkunst nicht als Museum, sondern als begehbare Atmosphäre erleben möchten. Der Schacky-Park ist kein überinszenierter Schaupark, sondern ein Ort mit leicht verwunschener Würde. Wer vom Dießener Seeufer aus den ausgeschilderten Weg nimmt, verbindet Ammersee, Ortsgeschichte und Parkspaziergang zu einer kleinen oberbayerischen Kulturwanderung. Besonders reizvoll sind die Wege zu Monopteros, Teehaus und Brunnen, weil sie immer wieder neue Aussichten und stille Winkel eröffnen. 

Buchheim-Park

Kunst und Natur am Starnberger See

Der Buchheim-Park ist eng mit dem Buchheim Museum der Phantasie in Bernried verbunden. Genau genommen liegt das Museum nördlich von Bernried im Höhenrieder Park direkt am Ufer des Starnberger Sees. Der Spaziergang dorthin ist bereits Teil des Erlebnisses: Alte Baumgruppen, Teiche, Pagoden, Skulpturen und andere Kunstwerke begleiten den Weg vom Besucherparkplatz zum Museumsgebäude; bei klarer Sicht reicht der Blick bis zur Alpenkette. 

Die Entstehung des Ortes ist untrennbar mit Lothar-Günther Buchheim verbunden – Maler, Fotograf, Verleger, Kunstsammler und Schriftsteller. Das Museum wurde für seine Sammlungen geschaffen; der Architekt Günter Behnisch entwarf einen Bau, der sich in die Landschaft einfügt und zugleich bewusst auf den See ausgerichtet ist. Der ursprüngliche Wettbewerbsentwurf war 1996 für Feldafing gedacht, wurde nach Widerständen und einem Bürgerentscheid jedoch nicht dort verwirklicht. Schließlich fiel die Wahl auf Bernried und die unmittelbar am See gelegenen Parkanlagen der Höhenrieder Klinik; 1998 erfolgte der Spatenstich, Ende 2000 war das Gebäude im Wesentlichen fertiggestellt. 

Seinen Reiz gewinnt der Buchheim-Park aus der Verbindung von Natur, Architektur und Kunst. Die sogenannten „Wiesenpfade der Kunst“ machen den Weg zum Museum selbst zu einer kleinen Entdeckungsreise. Drinnen begegnet man der Sammlung Buchheim, insbesondere Werken des Expressionismus; draußen wirken Bäume, See, Skulpturen und Alpenblick zusammen. Für Besucher ist dieser Ort deshalb ideal, wenn ein Ausflug nicht nur Erholung bieten soll, sondern auch geistige Anregung. Der Park ist ein Beispiel dafür, wie moderne Museumsarchitektur in Oberbayern nicht gegen die Landschaft arbeitet, sondern mit ihr. 

Seidl-Park Murnau

Ein künstlerisches Vermächtnis im Blauen Land 

Der Seidl-Park in Murnau führt in die Zeit um 1900, als das „Blaue Land“ nicht nur Maler und Schriftsteller, sondern auch Architekten und Gartenkünstler anzog. Der Münchner Architekt Emanuel von Seidl gestaltete rund um seine Villa eine großzügige Grünanlage, die bis heute seinen Namen trägt. Alte, hochgewachsene Bäume, ein mit Seerosen bewachsener Teich und Denkmäler erinnern an die gesellschaftliche und künstlerische Welt, die sich hier einst entfaltete. In Seidls Landhaus verkehrte die Münchner Prominenz; Feste wurden im Haus und im Garten gefeiert. Ein besonderer Höhepunkt war eine Freiluftaufführung von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ unter der Regie von Max Reinhardt. 

Der Park war für Seidl mehr als Gartenschmuck. Der Förderkreis Murnauer Parklandschaft beschreibt ihn als Ausdruck von Kunst, Freundschaft und Geselligkeit: Freundschaftshügel, Freundschaftsaltar und Brunnen der Gastfreundschaft erinnern an diese Idee. Das Zentrum des Parks bildete ein runder Platz mit Springbrunnen, Pavillon, Bänken und Panoramablick. Die Villa selbst existiert nicht mehr, doch Gloriettl, Eiskeller und die parkarchitektonischen Strukturen bewahren den Geist der Anlage. 

Heute liegt die Bedeutung des Seidl-Parks gerade in dieser Mischung aus Verlust und Erhalt. Man spürt, dass hier einst ein Gesamtkunstwerk aus Haus, Landschaft, Gästen, Festen und Blickachsen bestand. Der Park ist ein lohnendes Ziel für Spaziergänger, aber auch für alle, die sich für die Kulturgeschichte Murnaus interessieren. Vom Park aus öffnen sich Blicke auf das Murnauer Moos und das Bergpanorama – eine Landschaft, die nicht zufällig Künstlerinnen und Künstler des frühen 20. Jahrhunderts faszinierte. 

Molo-Park Murnau

Ein stiller Erinnerungsort des Schriftstellers Walter von Molo 

Der Molo-Park in Murnau – häufig auch Walter-von-Molo-Park genannt – ist weniger bekannt als der Seidl-Park, aber kulturgeschichtlich nicht minder interessant. Er geht auf das Anwesen des Schriftstellers Walter von Molo und seiner zweiten Ehefrau Anne zurück. Nach Angaben der Tourist-Information Murnau erwarb Anne von Molo in Hechendorf Grundstücke und ließ ein Haus errichten; zwischen 1932 und 1934 entstand das Gartengelände, der heutige Molo-Park. Nach dem Tod des Schriftstellers verkaufte seine Witwe das mehr als vier Hektar große Anwesen 1969 an die Gemeinde – unter der Bedingung, dass es weiterhin als Erholungs- und Kurort genutzt werde. Walter von Molo, der am 27. Oktober 1958 starb, wurde auf dem Anwesen beigesetzt; ein Grabstein erinnert bis heute an ihn. 

Der Reiz des Molo-Parks liegt nicht in barocker Pracht oder monumentaler Gartenarchitektur, sondern in seiner stillen, biografischen Atmosphäre. Er ist ein Ort des Rückzugs, wie ihn viele Schriftsteller und Künstler in Oberbayern suchten: nahe genug an einem kulturell lebendigen Ort wie Murnau, aber ruhig genug für Konzentration und Abstand. Damit ergänzt der Molo-Park die Murnauer Parklandschaft um eine literarische Dimension. 

Für Besucher ist der Park besonders geeignet, wenn sie abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten einen nachdenklichen Ort suchen. In Verbindung mit dem Seidl-Park und einem Spaziergang durch Murnau entsteht ein kleines kulturhistorisches Ensemble: hier der Architekt und Gastgeber Emanuel von Seidl, dort der Schriftsteller Walter von Molo, dazwischen die Landschaft des Blauen Landes, die seit über hundert Jahren als Inspirationsraum gilt. 

Linderhof

Königliche Gartenkunst in den Ammergauer Alpen 

Schloss und Park Linderhof gehören zu den bedeutendsten historischen Anlagen Oberbayerns. König Ludwig II. ließ Linderhof zwischen 1869 und 1880 nach seinen Vorstellungen und mit moderner technischer Ausstattung errichten; es war das einzige seiner großen Bauprojekte, das zu seinen Lebzeiten vollendet wurde. Linderhof wird als eines der vielfältigsten und kunstvollsten Ensembles des 19. Jahrhunderts beschrieben. 

Der Park ist ein Meisterstück der Verbindung unterschiedlicher Gartenstile. Die Bayerische Schlösserverwaltung hebt hervor, dass der Schlosspark Linderhof Elemente des französischen Barockgartens und des englischen Landschaftsgartens vereint. Terrassen, Wasserbassins, geometrische Blumenbeete und Kaskaden stehen neben naturnahen Wegen, exotischen Parkbauten und romantischen Inszenierungen. Marokkanisches Haus und Maurischer Kiosk verweisen auf die Orientmode der Zeit; Hundinghütte, Einsiedelei des Gurnemanz und Venusgrotte zeigen Ludwigs Begeisterung für Richard Wagners Musikdramen. 

Seit 2025 gehört Linderhof zusammen mit Neuschwanstein, dem Königshaus am Schachen und Herrenchiemsee zum UNESCO-Welterbe. Die Deutsche UNESCO-Kommission beschreibt diese Bauten als Rückzugsorte, die nach der romantischen Vision Ludwigs II. geschaffen wurden und die stilistischen sowie technischen Möglichkeiten ihrer Epoche zeigen. 

Ein Besuch in Linderhof ist deshalb mehr als ein klassischer Schlossausflug. Der Park vermittelt, wie Ludwig II. Landschaft, Architektur, Wasser, Theater und Mythos zu einer privaten Gegenwelt verband. Besonders eindrucksvoll ist die Abfolge von Wasserparterre, Terrassen, Blickachsen und Gebirgsnatur. Linderhof ist ideal für Besucher, die Gartenkunst, Königsgeschichte und Alpenlandschaft an einem Ort erleben möchten. 

Rosenpark Tölz

Blüten, Klostergeschichte und Kurtradition 

Der Rosenpark in Bad Tölz, auch Streidlgarten-Rosenpark genannt, liegt im Kurviertel nahe dem ehemaligen Franziskanerkloster und der Franziskanerkirche. Zusammen mit dem benachbarten Franziskanergarten bildet er eine blühende Oase am Beginn des Bäderviertels. Die Geschichte des Ortes reicht tief in die klösterliche Tradition der Stadt hinein: Die Franziskaner wirkten 384 Jahre lang in Bad Tölz, bevor das Kloster 2008 geschlossen wurde. Nach örtlicher Überlieferung brachten die ersten Brüder aus Italien neben Obstsorten auch Rosenarten mit, die den Gartenbereich prägten. 

Die Rose besitzt in Bad Tölz eine besondere Bedeutung. Früher galt sie als Symbol des Wohlstands der kleinen Stadt an der Isar und als Markenzeichen örtlicher Handwerksgüter; heute ist ihr im Streidlgarten-Rosenpark ein eigener Ort gewidmet. In dem von ehemaligen Klostermauern eingefassten Park wachsen verschiedene Rosensorten, darunter alte und seltene Sorten wie die duftende „Tölzer Rose“. Pavillons, Bänke und ein Labyrinth ergänzen die Anlage und machen sie zu einem ruhigen Aufenthaltsort im Herzen des Kurviertels. 

Der Rosenpark lohnt sich besonders zur Blütezeit, wenn Duft, Farben und die geschützte Lage innerhalb der alten Mauern zusammenwirken. Zugleich ist er ein guter Ausgangspunkt, um Bad Tölz als Kur- und Klosterstadt zu entdecken. Anders als Linderhof oder der Schacky-Park will dieser Ort nicht überwältigen; er lädt zum Innehalten ein. Gerade darin liegt seine Stärke: Der Rosenpark zeigt, dass bayerische Gartenkultur nicht nur in höfischer Pracht, sondern auch in stiller Pflege, religiöser Tradition und lokaler Symbolik verwurzelt ist. 

Oberbayerische Parks als lebendige Geschichtsräume

Die genannten Parks zeigen sechs sehr unterschiedliche Gesichter Oberbayerns. Der Schacky-Park steht für adelige Gartenleidenschaft am Ammersee, der Buchheim-Park für die Verbindung von Kunstmuseum und Seeuferlandschaft, der Seidl-Park für gesellschaftliche Gartenkunst im Blauen Land. Der Molo-Park bewahrt die Erinnerung an einen Schriftsteller und seinen Rückzugsort, Linderhof führt in die inszenierte Traumwelt König Ludwigs II., und der Rosenpark Tölz verbindet Blütenpracht mit Kloster- und Kurgeschichte. 

Wer diese Parks besucht, unternimmt keine gewöhnliche Ausflugsreihe. Man folgt vielmehr einer kulturhistorischen Spur durch Oberbayern: von der privaten Gartenfantasie über die künstlerische Moderne bis zur königlichen Inszenierung und zur klösterlichen Pflanzenkultur. Gerade diese Vielfalt macht die Parks zu lohnenden Zielen – für Spaziergänger, Geschichtsinteressierte, Gartenfreunde und alle, die Bayern in seinen stilleren, feineren Formen kennenlernen möchten.