Skispringen

Skispringen: Ein Sport zwischen Technik und Flugkunst

Skispringen ist eine der spektakulärsten Disziplinen des Wintersports und verbindet athletische Präzision mit beeindruckender Flugtechnik. Die Sportler starten von einer Schanze, beschleunigen im Anlauf auf hohe Geschwindigkeit und stoßen sich am Schanzentisch kraftvoll ab, um möglichst weit zu fliegen. Während des Sprungs versuchen sie, durch eine stabile Körperhaltung und die charakteristische V-Stellung der Ski maximale Aerodynamik zu erreichen. Bewertet wird nicht nur die Weite, sondern auch die Haltung im Flug und bei der Landung. Skispringen fasziniert seit Jahrzehnten Zuschauer auf der ganzen Welt, besonders bei Großereignissen wie der Vierschanzentournee, und gilt als Kombination aus Mut, Technik und feinem Körpergefühl.

Das Skispringen hat in Oberbayern eine lange Tradition, die bis in die frühen 1900er-Jahre zurückreicht. Erste einfache Schanzen entstanden in Garmisch, Partenkirchen, Mittenwald und im Chiemgau. Besonders Garmisch entwickelte sich rasch zu einem Zentrum, da hier schon früh Wintersportvereine und regelmäßige Wettbewerbe organisiert wurden.

Mit den Olympischen Winterspielen 1936 erhielt das Skispringen in der Region einen enormen Aufschwung. Der Bau der ersten großen Schanze am Gudiberg machte Garmisch-Partenkirchen international bekannt. In den Jahrzehnten danach wurde die Anlage mehrfach modernisiert und war Heimat erfolgreicher Springer wie Georg „Schorsch“ Bader und Toni Brutscher.

Einen weiteren Höhepunkt markierte die Gründung der Vierschanzentournee 1953, bei der das Neujahrsspringen in Garmisch zum weltweit beachteten Sportereignis wurde. Es prägt bis heute das Bild des Skispringens in Oberbayern.

Im Jahr 2007 entstand mit dem Neubau der Großen Olympiaschanze eine der modernsten Anlagen Europas. Seitdem nutzen nicht nur Nachwuchstalente, sondern auch Topathleten wie Martin Schmitt, Karl Geiger oder Andreas Wellinger die Anlage regelmäßig als Trainingsort.

Heute bleibt Garmisch-Partenkirchen ein zentraler Standort des internationalen Skispringens – eine Mischung aus Tradition, moderner Infrastruktur und einem der atmosphärischsten Wettkämpfe des Wintersports.

Geschichtliche Entwicklung

  • Anfang 1900er: Erste einfache Schanzen in Garmisch, Partenkirchen, Mittenwald und im Chiemgau; lokale Wettbewerbe entstehen.

  • 1934–1936: Bau der Olympiaschanze am Gudiberg für die Winterspiele 1936; internationaler Durchbruch für Garmisch-Partenkirchen.

  • Nachkriegszeit: Wiederaufbau der Anlagen; regionale Springer wie Georg „Schorsch“ Bader und Toni Brutscher prägen die Szene.

  • 1953: Gründung der Vierschanzentournee; das Neujahrsspringen in Garmisch wird weltweit bekannt.

  • 1970–2000: Modernisierung der Schanzen; Ausbau des Leistungszentrums und stärkere Nachwuchsarbeit.

  • 2007–2008: Abriss der alten Schanze und Bau der modernen Großen Olympiaschanze.

  • Heute: Garmisch-Partenkirchen bleibt ein international bedeutender Standort für Training und Wettkämpfe im Skispringen.

Führung auf der Skischanze in Partenkirchen

Sportmoderator Stefan Kitzmüller nimmt euch mit auf die Skischanze in Partenkirchen.

Taucht ein in die Welt des Skispringens und genießt den Blick von ganz oben!

Erlebe die Skisprungschanze in Garmisch-Partenkirchen bei einem eindrucksvollen virtuellen Rundgang

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Bilder

Die Skischanze in Garmisch-Partenkirchen und ihre Bedeutung für die Vierschanzentournee

Die Skischanze in Garmisch-Partenkirchen gehört zu den bekanntesten Wintersportstätten der Welt. Jedes Jahr richtet sie das berühmte Neujahrsspringen der Vierschanzentournee aus und steht damit im Zentrum eines der traditionsreichsten Wettbewerbe des Skispringens. Doch hinter der modernen, elegant geschwungenen Schanzenkonstruktion, die heute das Bild des Gudibergs prägt, verbirgt sich eine lange und spannende Geschichte.

Die erste Skischanze in Garmisch-Partenkirchen wurde im Jahr 1934 erbaut. Sie entstand im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen von 1936, bei denen Garmisch-Partenkirchen als Gastgeber fungierte. Schon bei ihrer Einweihung zog die Anlage große Aufmerksamkeit auf sich, denn sie war eine der modernsten Schanzen ihrer Zeit. In den Jahrzehnten nach den Olympischen Spielen wurde die Schanze mehrfach umgebaut und modernisiert, um den steigenden sportlichen Anforderungen und Sicherheitsstandards gerecht zu werden. Schließlich entschied man sich 2007 zu einem kompletten Neubau. Die alte Schanze wurde abgerissen, und an ihrer Stelle entstand die heutige Große Olympiaschanze – eine elegante, lichtdurchflutete Stahl-Glas-Konstruktion, die architektonisch wie sportlich Maßstäbe setzt. Seit ihrer Fertigstellung 2008 gilt sie als eine der modernsten Skisprungschanzen weltweit.

Besonders berühmt ist Garmisch-Partenkirchen für das Neujahrsspringen, das jedes Jahr am 1. Januar im Rahmen der Vierschanzentournee stattfindet. Die Tournee wurde 1953 ins Leben gerufen und verbindet vier Schanzen an vier traditionsreichen Orten: Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen. Das Neujahrsspringen bildet dabei den zweiten Wettbewerb und gilt als emotionaler Höhepunkt der gesamten Tournee. Die Atmosphäre ist einzigartig: Tausende Zuschauer füllen das Stadion, während Millionen Menschen vor den Fernsehern sitzen und das neue Jahr mit diesem sportlichen Ritual beginnen.

Im Laufe der Geschichte der Vierschanzentournee haben zahlreiche große Athleten in Garmisch ihre Spuren hinterlassen. Besonders unvergessen sind die Triumphe der deutschen Springer Jens Weißflog und Sven Hannawald. Weißflog gewann die Tournee insgesamt drei Mal und gilt als einer der besten Skispringer seiner Generation. Hannawald machte 2002 Geschichte, als er als erster Springer überhaupt alle vier Wettbewerbe in einer Saison gewann – ein sogenannter Grand Slam. Dieses Kunststück gelang später nur noch dem Polen Kamil Stoch (2018) und dem Japaner Ryōyū Kobayashi (2019). Auch internationale Legenden wie Björn Wirkola, Janne Ahonen oder Matti Nykänen prägten durch ihre beeindruckenden Leistungen die Erfolgsgeschichte der Tournee.

Die Skischanze in Garmisch-Partenkirchen ist jedoch mehr als nur eine Sportstätte. Sie ist ein Symbol der Region, ein Treffpunkt für Wintersportfans und ein Ort, an dem Tradition und Moderne aufeinandertreffen. Der jährliche Wettkampf verbindet Generationen, weckt Erinnerungen und schafft neue Momente, die in die Geschichte des Skispringens eingehen. Die Kombination aus spektakulärer Architektur, sportlicher Höchstleistung und jahrzehntelanger Tradition macht die Schanze am Gudiberg zu einem besonderen Ort, der weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ist.

So steht die Große Olympiaschanze heute als Zeichen dafür, wie sich der Wintersport entwickeln kann: von einfachen Holzkonstruktionen zu technisch hochentwickelten Sportstätten, die Athleten aus aller Welt anziehen. Garmisch-Partenkirchen ist dabei ein fester Bestandteil dieser Geschichte – und das Neujahrsspringen bleibt Jahr für Jahr ein Moment, in dem Sportbegeisterung, Spannung und Tradition in perfekter Weise zusammenkommen.

Die Vierschanzentournee – Ablauf & Bedeutung

das Wimbledon des Skispringens

Garmisch-Partenkirchen ist seit jeher der zweite Austragungsort der Vierschanzentournee, die jedes Jahr in Oberstdorf beginnt und über Innsbruck bis zum großen Finale in Bischofshofen führt. Das Neujahrsspringen gilt als das emotionalste und meistgesehene Event der gesamten Tournee und prägt das internationale Bild des deutschen Wintersports wie kaum ein anderes Ereignis.

Die Tournee selbst wurde 1953 ins Leben gerufen und hat sich seitdem kaum verändert. Sie gilt als eines der prestigeträchtigsten Wintersportformate überhaupt. Zu den unvergesslichen Momenten zählen die Grand Slams von Sven Hannawald (2002), Kamil Stoch (2018) und Ryōyū Kobayashi (2019), die jeweils alle vier Springen einer Saison gewannen.

Sie besteht aus vier Springen:

  1. Oberstdorf (Deutschland – Auftakt)

  2. Garmisch-Partenkirchen (Deutschland – Neujahrsspringen)

  3. Innsbruck (Österreich)

  4. Bischofshofen (Österreich – Finale)

Das Neujahrsspringen in Garmisch ist das emotionalste und mit Abstand meistgesehene Springen im TV.

Historische Höhepunkte der Tournee

Gründung

  • Erste Tournee fand 1953 statt.

  • Sofort ein Publikumserfolg – bis heute hat sich das Grundprinzip kaum verändert.

Besondere Momente

  • Sven Hannawald (2002): erster Springer, der alle vier Springen in einer Saison gewann.

  • Kamil Stoch (2018): zweiter Springer mit „Grand Slam“ – ebenfalls Sieg bei allen vier.

  • Ryōyū Kobayashi (2019): dritter Springer mit Grand Slam.

  • Deutscher Triumph zuletzt durch Karl Geiger und Markus Eisenbichler in einzelnen Springen, aber kein Gesamtsieg.

Berühmte Gewinner der Vierschanzentournee

Große Namen in Garmisch und im Oberland

Auch wenn das Bayerische Oberland stärker durch den alpinen Skisport geprägt ist, brachte die Region einige bemerkenswerte Skispringer hervor. Georg „Schorsch“ Bader und Anton „Toni“ Brutscher, beide aus Garmisch-Partenkirchen, gehörten in den 1930er bis 1950er Jahren zu den national stärksten Athleten und prägten das lokale Sprunglauf-Geschehen.

Eng mit Garmisch und seinen Trainingsmöglichkeiten verbunden waren außerdem viele spätere Weltstars, die zwar nicht aus dem Oberland stammen, aber regelmäßig auf der Olympiaschanze trainierten oder für lokale Vereine starteten. Martin Schmitt etwa, einer der erfolgreichsten deutschen Springer überhaupt, nutzte den Standort häufig für Trainingslehrgänge. Auch Karl Geiger, Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler gehören zu den Spitzenathleten, die in Garmisch wichtige Trainingsphasen absolvierten und bis heute eng mit den südbayerischen Stützpunkten verbunden sind.

Deutsche Sieger

  • Jens Weißflog (1983/84, 1984/85, 1990/91)

  • Sven Hannawald (2001/02)

  • Max Bolkart (1958/59)

Internationale Stars

  • Björn Wirkola (NOR) – 3 Siege in Folge 1967–1969

  • Matti Nykänen (FIN) – einer der größten Skispringer der Geschichte

  • Janne Ahonen (FIN) – Rekordsieger mit 5 Gesamtsiegen

  • Kamil Stoch (POL)

  • Ryōyū Kobayashi (JPN)

  

Gebürtige oder im engeren Sinn aus dem Bayerischen Oberland stammende Skispringer

1. Georg „Schorsch“ Bader – Garmisch-Partenkirchen

  • Aktiv 1930er/40er

  • Deutscher Meister im Sprunglauf

  • Teilnehmer bei internationalen Wettbewerben

  • Sehr erfolgreicher Springer seiner Zeit

  • Stammte direkt aus Garmisch – damit der bekannteste Oberland-Skispringer.

2. Anton „Toni“ Brutscher – Garmisch-Partenkirchen

  • Bekannt in den 1940/50er Jahren

  • Starker nationaler Springer

  • Training am Gudiberg

Erfolgreiche Springer, die für Vereine im Oberland starteten oder dort trainierten

Diese Springer stammen nicht direkt aus dem engeren Oberland, waren aber eng mit der Region verbunden – etwa durch den SC Partenkirchen oder durch die Olympiaschanze in Garmisch.

1. Martin Schmitt

  • Einer der erfolgreichsten deutschen Springer aller Zeiten

  • Weltmeister, Weltcup-Sieger

  • Nahm oft an Trainings in Garmisch teil

  • Startete mehrfach für SC Partenkirchen bei nationalen Wettkämpfen

2. Karl Geiger (aus Oberstdorf)

  • Weltmeister, mehrfacher Tournee-Sieger einzelner Springen

  • Häufiger Trainingsgast im Oberland, eng mit südbayerischen Stützpunkten

  • Häufig auf der Olympiaschanze trainiert

3. Andreas Wellinger (aus Ruhpolding)

  • Olympiasieger 2018

  • Weltmeister

  • Trainierte in jungen Jahren häufig in Garmisch

4. Markus Eisenbichler (Siegsdorf / Chiemgau)

  • Weltmeister 2019

  • Chiemgau = nicht Oberland, aber sportlich eng verknüpft

  • Regelmäßig in GAP für Training und Wettkämpfe

Skiclub Partenkirchen

Nachwuchs- und Regional-Springer aus Oberland-Vereinen

Neben den großen Namen spielen auch die Talente aus Vereinen wie dem SC Partenkirchen oder dem SC Garmisch eine wichtige Rolle. Sie prägen die Nachwuchsarbeit im Bayerischen Skiverband und sorgen dafür, dass die Region trotz ihrer vergleichsweise kleinen Sprunglauftradition ein bedeutender Standort im deutschen Skispringen bleibt.

Sie haben keine Weltcup-Siege, aber sind/waren erfolgreiche Athleten in Jugend, Deutschlandpokal und nationalen Wettbewerben:

SC Partenkirchen / SC Garmisch:

  • David Siegel (zeitweise) – später Weltcup-Springer

  • Tim Fuchs – C-Kader

  • Manuel Poppinger (Österreich, oft in GAP trainiert)

Text von Rick Albrecht

SKISPRUNGAUSRÜSTUNG

Wie kleidet man sich für das Skispringen?

Schuhe, Anzug, Skier, usw.

Bilder

Verlorene-Skischanzen-Altstaedten
Verlorene Skischanzen Altstädten

Über Jahrzehnte hinweg prägten zahlreiche Skisprungschanzen die Wintersportlandschaft Oberbayerns – viele davon existieren heute nicht mehr. Ob durch fehlende Schneesicherheit, strukturelle Veränderungen im Wintersport oder den Wandel regionaler Vereine: Zahlreiche kleinere und historische Schanzen wurden abgebaut, überwachsen oder schlicht vergessen. Diese „verlorenen Schanzen“ erzählen jedoch spannende Geschichten über die Entwicklung des Skispringens im Alpenraum, über lokale Traditionen und über eine Zeit, in der beinahe jeder Ort seine eigene kleine Sprunganlage hatte. Der Blick auf diese verschwundenen Schauplätze eröffnet ein faszinierendes Kapitel bayerischer Wintersportgeschichte.

Text von Rick Albrecht

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